Tuttlingen. In den 1980er-Jahren gehörte er zu den erfolgreichsten Show-Stars Deutschlands. Seit dieser Woche gibt es einen Gedenkort für Reiner Kohler alias Gordy im Donaupark. Mit „Gordys Garten“ erinnert die Stadt Tuttlingen an eine der prominentesten Persönlichkeiten der Stadt – und berichtet darüber in einer Mitteilung.
„Spaß an der Verwandlung“ hieß das erste Showprogramm des Travestie-Duos „Mary and Gordy“, und eine Verwandlung machte auch der Donaupark mit: Dort, wo seit der Gartenschau 2003 das Baumlabyrinth stand, erinnert jetzt „Gordys Garten“ an den Mann, der von Tuttlingen aus die Showbühnen der Welt eroberte und trotzdem nie den Bezug zu Tuttlingen verlor. „Ich kenne keinen anderen Menschen, der so eng mit seiner Heimatstadt verbunden war“, erinnerte sich Gordys langjähriger Bühnenpartner Georg Preuße alias Mary. So nahm Kohler auf Tourneen oft lange Fahrten oder Umwege auf sich, um in seinem Tuttlingen übernachten zu können. Und es war auch kein Zufall, dass Kohlers Bühnenkarriere als „Dolly aus Tuttlingen“ begann. Zu Gordy wurde er dann erst zusammen mit Georg Preuße.

Im Gespräch mit dem langjährigen SWR-Moderator Edi Graf berichtete Preuße vom Beginn der gemeinsamen Karriere im Hamburg der 1980er-Jahre. Diese führte sie schnell nach Berlin und von dort auf weitere große Bühnen im In- und Ausland und vor allem auch ins Fernsehen. Und auch SWR-Mann Graf erinnerte sich noch gut, wie er einst Mary-and-Gordy-Titel im Radio auflegte – damals noch von Hand und auf Vinyl. Im charmanten Plauderton reisten Preuße und Graf durch die Zeit – quittiert vom Lächeln und Nicken zahlreicher Verwandter, Freunde und Wegbegleiter von Reiner Kohler. So waren unter anderem zwei seiner Schwestern und eine Nichte unter den Gästen.
Erster Bürgermeister Uwe Keller erinnerte an Kohlers Jugend in Tuttlingen, wo die Eltern als Wirte der „Siegelstube“ bekannt waren. Mit der Gastronomie hatte Kohler selbst schon Erfahrungen gesammelt, als er im Trossinger Hotel „Bären“ eine Ausbildung zum Koch machte. In Trossingen zog es ihn auch erstmals auf die Bühne, unter anderem bei Veranstaltungen der Firma Hohner. Der Durchbruch in den 1980er-Jahren verschaffte ihm dann weltweite Bekanntheit – inclusive TV-Auftritten in Finnland, Japan und Kanada.
„Er war einer der liebenswertesten Menschen aus unserer Stadt“, sagte Keller – umso wichtiger sei es, die Erinnerung an ihn wachzuhalten. Doch bei Gordys Garten geht es noch um mehr: Denn Reiner Kohler steht als Pionier der Travestie auch für den Mut zum Anderssein und den Willen, sein Leben gegen alle Widerstände zu leben. „Wenn wir heute diesen Platz einweihen, geht es auch um Akzeptanz für Menschen aller Couleur – und das ist heute wichtiger und aktueller denn je“, so Keller.
„Gordy hat mir in schwierigen Phasen Kraft gegeben“, berichtete Christina Rauscher. Sie und ihr Mann Thorsten sind seit vielen Jahren überzeugte Gordy-Fans, was Christina Rauscher dazu motivierte, die Gestaltung von Gordys Garten finanziell und ideell zu unterstützen und das Projekt mit auf den Weg zu bringen. Da sie sowohl Gordys Musik als auch seine Persönlichkeit stark berührten, ging sie schon vor Jahren auf Spurensuche und befasste sich intensiv mit Leben und Werk von Reiner Kohler. „Jeder Mensch“, so Rauscher, „sollte seine Vorlieben und Träume verwirklichen dürfen.“
