Rottweil. Der Fund einer mutmaßlichen mittelalterlichen Grabplatte auf einer Baustelle nahe der Predigerkirche sorgt weiter für Aufmerksamkeit. Während Passanten und Touristen über das eingearbeitete Wappentier diskutieren – manche glauben sogar, darin den berühmten Rottweiler Hund zu erkennen –, gibt es nun eine erste fachliche Einschätzung.
Johannes Waldschütz, Mittelalter- und Neuzeithistoriker sowie Leiter des Stabsbereichs Archiv, Kultur und Tourismus des Landkreises Rottweil, hat sich die veröffentlichten Fotos angesehen. Sein erster Eindruck: Es dürfte sich tatsächlich um eine Grabplatte aus dem 15. oder 16. Jahrhundert handeln.
„Bei Apolonia bin ich sicher“
Besonders spannend ist seine Vermutung zur Inschrift.
„Ich würde schätzen, dass es sich um eine Grabplatte aus dem 15./16. Jahrhundert handelt. Ich meine im oberen rechten Eck ‚Apolonia von Endingen‘ zu lesen. Bei Apolonia bin ich sicher. Endingen vermute ich, könnte auch etwas anderes heißen“, schreibt Waldschütz gegenüber der NRWZ.
Eine endgültige Lesung sei anhand der bisherigen Fotos allerdings noch nicht möglich. Sollten weitere Aufnahmen vorliegen, wolle er versuchen, weitere Teile der Inschrift zu entziffern.
Wohltäterin oder Nonne?
Sollte die Grabplatte tatsächlich aus dem Umfeld der Predigerkirche stammen, hält Waldschütz verschiedene Erklärungen für denkbar.
„Wenn die Grabplatte aus der Dominikanerkirche kommt beziehungsweise deren Friedhof, dann wäre an eine Wohltäterin zu denken oder eine Nonne, die in einem dominikanischen Frauenkloster, von denen es in und um Rottweil einige gab, lebte oder diesem vielleicht sogar als Äbtissin vorstand.“
Noch sei dies jedoch eine Arbeitshypothese. Weitere Funde oder Untersuchungen könnten neue Erkenntnisse bringen.


Baustelle wird zur Attraktion
Der Fund selbst hat bereits zahlreiche Neugierige angelockt. Direkt neben der Baustelle entspann sich zwischen einem Mitarbeiter des nahegelegenen Rottweiler Shops und Touristen eine lebhafte Diskussion über das dargestellte Wappentier. Der Hundezüchter ist überzeugt, darin den historischen Rottweiler Hund zu erkennen. Immer wieder bleiben Passanten stehen, fotografieren die Grabplatte und tauschen ihre Vermutungen aus. So ist die Baustelle mitten in der historischen Innenstadt für kurze Zeit selbst zu einer kleinen Sehenswürdigkeit geworden.
Ob das Wappen tatsächlich einen Hund zeigt und wer einst unter der Grabplatte bestattet wurde, müssen nun weitere Untersuchungen zeigen. Waldschütz hofft jedenfalls auf weitere Funde: „Wäre natürlich super, man würde noch mehr Teile finden!“
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