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Wie der neue Neckar bei Rottweil die Trockenheit aushalten soll

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Lesezeit 5 Min.
Foto: Peter Arnegger

ROTTWEIL. Es ist ein Widerspruch, der Lesern aufgefallen ist: Seit dem 25. Juni gilt im Landkreis Rottweil ein Verbot der Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern, begründet mit kritisch niedrigen Pegeln. Zeitgleich läuft im Neckar der zweite Bauabschnitt der Revitalisierung, für den der Fluss in einer neuen Schleife trassiert wird. Wie soll ein frisch gegrabenes Flussbett einen Sommer wie diesen überstehen?

Die NRWZ hat beim Regierungspräsidium Freiburg nachgefragt, dessen Landesbetrieb Gewässer die Maßnahme umsetzt. Nach dessen Darstellung wurden bei der Planung sowohl Niedrigwassersituationen als auch Hochwasserabflüsse berücksichtigt.

Vertiefungen als Rückzugsraum

Buhnen aus Holz und Stein lenken die Strömung und erzeugen unterschiedliche Wassertiefen. Störsteingruppen, Wurzelstrünke und Totholz sollen für ein strukturreiches Gewässerbett sorgen. Entscheidend für Trockenphasen sind die sogenannten Kolke, Vertiefungen im Flussbett: Dort verbleibe auch bei geringen Abflüssen ausreichend Wasser, in das sich Fische zurückziehen können. In diesen Vertiefungen sammle sich zudem kühleres und sauerstoffreicheres Wasser aus den Rampen.

Der zweite Hebel liegt am Ufer. Weiden, Erlen, Schwarzpappeln und weitere Gehölze sollen das Gewässerbett nach einer Anwuchsphase beschatten. Das sei besonders wichtig, teilt das Regierungspräsidium mit, weil eine zu hohe Wassertemperatur für viele Fische tödlich sein könne. Strukturen im Flussbett, Beschattung und Sauerstoffanreicherung an den Rampen zusammen sollen den Abschnitt widerstandsfähiger gegen Niedrigwasser machen.

Als Maßstab nennt der Landesbetrieb eine konkrete Zahl: Der neue Gewässerabschnitt soll an mindestens 330 Tagen im Jahr für Fische und Fischnährtiere durchwanderbar sein. Wichtig sei das vor allem für die Rauen Rampen am neuen Pegel und im Bereich des früheren ENRW-Wehrs.

Der Altarm geht zuerst leer aus

Der heutige Flusslauf bleibt als Altarm erhalten. Wasser bekommt er über ein Rohr aus dem Hauptgerinne, das als Bypass wirkt und für eine leichte Durchströmung sorgt. Die Menge lässt sich über einen Schieber regulieren. Im langjährigen Mittel soll dem Altarm an mindestens 330 Tagen im Jahr Wasser zuströmen.

Sinkt der Abfluss im Hauptgerinne, wird der Altarm allerdings abgeklemmt. Dann verbleibe alles Wasser im Hauptlauf, um dort die Durchwanderbarkeit für Fische und Kleinlebewesen möglichst lange zu erhalten. Weil der Altarm rückwärts eingestaut ist, könnten sich Fische und andere Wasserlebewesen mit sinkendem Wasserstand stromabwärts in Sicherheit bringen.

Auch die Baustelle nimmt kein Neckarwasser

Für den zweiten Bauabschnitt wird nach Angaben des Regierungspräsidiums kein Wasser aus dem Neckar entnommen. Das Entnahmeverbot sei bekannt, die beauftragten Firmen seien entsprechend angewiesen worden. Das benötigte Wasser kommt aus dem Netz des örtlichen Wasserversorgers – die Baufirma hat dafür ein Hydrantenstandrohr angemietet und versorgt damit ihre Baustelleneinrichtung. Auch die frisch gepflanzten Gehölze im bereits fertigen ersten Bauabschnitt werden seit dem Verbot ausschließlich mit Leitungswasser gegossen.

Damit deckt sich die Auskunft mit der der Stadt Rottweil, die für ihre Grünflächen und die Landesgartenschau ebenfalls jede Entnahme aus oberirdischen Gewässern verneint. Eine Abstimmung zwischen dem Landesbetrieb Gewässer und der Landesgartenschau Rottweil 2028 gGmbH zur Bewässerung des Gartenschaugeländes gibt es nach Angaben des Regierungspräsidiums nicht. Der Landesbetrieb versorge seine Flächen eigenständig.

Neuer Pegel im Probebetrieb

Das markante Pegelhäuschen soll im Herbst abgebaut werden, der neue Landespegel steht auf Höhe des Bahnhofs. Ein Bruch in den Messreihen soll dadurch nicht entstehen: Der neue Standort sei so konzipiert, dass die Werte weitestgehend vergleichbar bleiben. Derzeit laufen beide Pegel parallel, der neue zunächst im Probebetrieb. Die nötigen Anpassungen bei Bearbeitung und Bereitstellung der Daten sollen bis zur Stilllegung des alten Standorts abgeschlossen sein.

Wer die Entwicklung der Abflüsse selbst nachvollziehen will, findet die Daten der Landespegel beim Daten- und Kartendienst der LUBW, überwiegend als ungeprüfte Rohdaten. Standardisierte Auswertungen über Zehnjahreszeiträume führt die Landesanstalt nicht durch. Das jährliche Wasserdargebot in den Flüssen schwanke natürlicherweise stark, um Trends verlässlich zu erkennen, brauche es längere Zeiträume. Im Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg lässt sich das laufende Jahr mit den Abflusszeitreihen ab 1991 vergleichen.

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