Fünf Positionen am „skulpTOURhang“ sind gesetzt, zwei Wettbewerbe kommen im Herbst und Anfang 2027. Wie viele Plätze am Hang tatsächlich zu vergeben sind, ist allerdings unklar — die Angaben der Stadt und des Kurators weichen voneinander ab. Auch bei der Landesförderung und beim Kulturwaggon musste nachgebessert werden.
In eigener Sache: Warum wir diesen Bericht erneut veröffentlichen
Wir haben am 18. August über das Kunstprogramm der Landesgartenschau berichtet. Grundlage war eine Pressemitteilung der Landesgartenschau Rottweil 2028 gGmbH. Nach unserer Veröffentlichung hat die Gesellschaft eine korrigierte Fassung dieser Mitteilung verschickt. Angestoßen wurde die Korrektur nach Angaben von Kurator Johannes Waldschütz von ihm selbst: Er habe die Landesgartenschau-Gesellschaft nach Erscheinen unseres Berichts kontaktiert und um Berichtigung gebeten – sowohl wegen der Angabe zu Willi Bucher als auch wegen des zunächst fehlenden Erich Hauser. Wir ziehen deshalb nach und legen den Bericht in überarbeiteter Form neu vor. Geändert hat sich Folgendes:
Franz und Willi Bucher. In der ersten Fassung hieß es, statt einer Arbeit von Franz Bucher solle eine Steinskulptur seines Bruders Willi Bucher gezeigt werden, weil Franz Buchers Werke überwiegend aus Holz bestünden. Diese Passage ist entfallen. Nach der korrigierten Fassung wird eine Steinskulptur von Franz Bucher gezeigt. Zur Entstehung des Fehlers teilt Kurator Jürgen Knubben auf Anfrage mit, Willi Bucher stelle eine in seinem Besitz befindliche Steinskulptur seines verstorbenen Bruders leihweise zur Verfügung. Die Mitteilung sei ohne Freigabe durch ihn und Johannes Waldschütz verschickt worden. Waldschütz bestätigt das auf Anfrage und spricht von einer „fehlerhaften, nicht abgestimmten Pressemitteilung“ der Landesgartenschau beziehungsweise der Stadt.
Erich Hauser. Neu aufgenommen wurde eine Skulptur von Erich Hauser. Sie fehlte in der ersten Mitteilung.
Die fünf Setzungen. Die Stadt stellt nun ausdrücklich klar, dass es sich bei allen fünf bereits feststehenden Positionen um verstorbene Künstler handelt. Die Windharfe der Jugendkunstschule KREISEL gehört nicht dazu, sondern ist ein eigenständiger Beitrag.
Drei weitere Abweichungen. Nach der Neuveröffentlichung hat uns Jürgen Knubben auf drei Punkte hingewiesen, in denen die Pressemitteilung von den tatsächlichen Planungen abweicht: die Förderung durch das Wissenschaftsministerium, die Nutzung des Waggons außerhalb der Fahrten und die Reichweite der angekündigten internationalen Beteiligung. Wir haben den Text entsprechend angepasst.
Geklärt: zehn Plätze. Auch die korrigierte Mitteilung spricht davon, eine Jury solle „insgesamt 15 Arbeiten“ auswählen, obwohl zugleich fünf Positionen feststehen. Knubben teilt uns mit, im Wettbewerb stünden zunächst zehn Plätze zur Verfügung. Das hat die Stadt auf Anfrage bestätigt; die Pressemitteilung hatte 15 auszuwählende Arbeiten genannt.
Ergänzt haben wir außerdem Angaben zu Zeitplan, Jurybesetzung und Bewerbungsbedingungen, die uns Knubben auf Anfrage mitgeteilt hat und die in beiden Pressemitteilungen nicht enthalten waren.
Bildende Kunst soll bei der Landesgartenschau Rottweil 2028 an mehreren Orten im Gelände und in der Stadt zu sehen sein. Geplant sind Projekte mit regionalem Bezug sowie zwei Wettbewerbe. Ein erster Baustein wird bereits in diesem Herbst sichtbar – in Form eines umgebauten Eisenbahnwaggons.
Für die Vorbereitung des Kunstprogramms ist ein Kunstausschuss zuständig, der gemeinsam mit dem Landesgartenschau-Team arbeitet. Ihm gehören nach Angaben der Stadt Kulturamtsleiter Marco Schaffert an, Johannes Waldschütz als Stabsbereichsleiter Archiv, Kultur und Tourismus beim Landratsamt Rottweil, Juliane Flittner als Geschäftsführerin der Kunststiftung Erich Hauser, Forum-Kunst-Geschäftsführer und Künstler Jürgen Knubben sowie Tobias Kammerer, Josef Schuldis, Michael Grimm und Rob Hak.
Knubben beschreibt das Konzept so: „Uns war wichtig, dass zum einen die Region abgebildet ist, aber auch Baden-Württemberg. Auch nationale und internationale Künstler sollen zum Zug kommen.“ Diese Ankündigung bezieht sich allerdings nicht auf die beiden Wettbewerbe; nationale und internationale Beteiligung ist allein für das Jahresprogramm des Forum Kunst 2028 vorgesehen (siehe unten).
Skulpturen am Hang zur Bahnhofstraße
Am weitesten fortgeschritten ist das Projekt „skulpTOURhang“ am Hang in Richtung Bahnhofstraße. Die Sockel dafür sind laut Mitteilung bereits hergestellt. Veranstalter ist die Stadt Rottweil zusammen mit dem Landesgartenschau-Team, kuratiert wird das Vorhaben von Waldschütz und Knubben.
Bewerben können sich nach Angaben von Kurator Johannes Waldschütz ausschließlich Bildhauerinnen und Bildhauer, die mit dem Landkreis Rottweil verbunden sind – weil sie hier wohnen, hier arbeiten oder von hier stammen. Vorgesehen sind Standorte für unterschiedlich große Arbeiten.
Fünf Positionen stehen bereits fest. Es handelt sich ausschließlich um verstorbene Künstler: das Glaswindspiel von H. Julius Schittenhelm, das zuvor im oberen Stadtgraben zu sehen war, und die „Diotima“ von Siegfried Haas – beide sollen an ihren früheren Standorten wieder aufgebaut werden. Hinzu kommen zwei Baumglocken des vor wenigen Monaten gestorbenen Künstlers Josef Bücheler, die er nach Angaben von Kulturamtsleiter Schaffert noch eigens für die Landesgartenschau angefertigt hatte, außerdem eine Steinskulptur von Franz Bucher und eine Arbeit von Erich Hauser.
Zur Begründung dieser Setzungen teilt Knubben auf Anfrage mit, das einzige Kriterium sei gewesen, dass sich diese Künstler einem Wettbewerb nicht mehr stellen könnten, aber wichtige Kunstpersönlichkeiten der Stadt gewesen seien. Entschieden hätten das er und Waldschütz in Abstimmung mit dem Landesgartenschau-Team und dem Arbeitskreis.
Ergänzend wird die Jugendkunstschule KREISEL eine Windharfe gestalten. Dieser Beitrag ist nach Knubbens Angaben unabhängig vom „skulpTOURhang“ entstanden und dem Landesgartenschau-Team vorgeschlagen und von diesem angenommen worden.
Im Wettbewerb stehen zehn Plätze zur Verfügung. Das hat die Stadt auf Anfrage bestätigt; die Pressemitteilung hatte 15 auszuwählende Arbeiten genannt.
Waldschütz verweist auf den Standort: Mit dem Format werde ein „bisher wenig wahrgenommener Naturort“ mit bildhauerischen Arbeiten verbunden. Zugleich könne das Projekt zeigen, wie viele Bildhauerinnen und Bildhauer mit unterschiedlichen Ansätzen im Landkreis Rottweil arbeiten. Durch die Sichtachsen entstünden „immer wieder neue Blickbeziehungen“.
Zeitplan und Jury
Angaben zum Verfahren, die in den Mitteilungen fehlten, hat Knubben auf Anfrage ergänzt: Die Ausschreibung für den „skulpTOURhang“ soll im Herbst dieses Jahres erfolgen. Die Jury werde voraussichtlich im Frühjahr oder Sommer 2027 tagen, damit die Bildhauerinnen und Bildhauer genügend Zeit hätten, auch neue Arbeiten bis zum Beginn der Landesgartenschau zu fertigen.
Die Jury steht noch nicht fest. Sie soll aus Vertretern der Stadt, des Landkreises, des Landesgartenschau-Teams und zwei externen Fachleuten bestehen und im Herbst im Zusammenhang mit der Ausschreibung von den Verantwortlichen der Landesgartenschau bestimmt und anschließend öffentlich bekannt gegeben werden. Die beiden Kuratoren Waldschütz und Knubben gehören der Jury nach Knubbens Angaben selbst als stimmberechtigte Mitglieder an; das sei in der Kunstszene Standard. Eine kuratorische Vorauswahl vor der Jurysitzung finde nicht statt, alle eingereichten Vorschläge würden von der Jury beurteilt.
Die externen Fachleute schlagen die beiden Kuratoren selbst vor. Waldschütz habe einen ersten Vorschlag gemacht, den beide gemeinsam besprechen wollten, teilt Knubben mit; um an die richtigen Personen zu gelangen, müsse man sich in der Szene auskennen.
Eine schriftliche Verfahrensregelung zu Befangenheit oder Stimmengewichtung gibt es bislang nicht. Etwaige Befangenheit werde, falls ein Jurymitglied sie feststelle, in der Jury eine Rolle spielen; bei sieben bis acht Mitgliedern sehe er hier keine Gefahr, so Knubben. Jedes Mitglied habe eine Stimme, entschieden werde nach mehreren Durchgängen mit Mehrheit. Honorare für Jurymitglieder seien allenfalls für die externen Juroren als Aufwandsentschädigung vorgesehen.
Knubben weist darauf hin, dass zunächst ein anderes Vorgehen angedacht gewesen sei, nämlich Bildhauerinnen und Bildhauer direkt einzuladen. Er habe stattdessen einen Wettbewerb vorgeschlagen, um möglichst vielen Kunstschaffenden eine Bewerbung zu ermöglichen. An keinem der Projekte werde er sich selbst als Künstler beteiligen.
Wettbewerb für die Arkaden des Viadukts
Ein zweites Wettbewerbsprojekt trägt den Titel „ZWISCHENRÄUME – Kunst in den Arkaden des Viadukts“ und wird von Knubben kuratiert. Veranstalter sind das Forum Kunst und die Kreissparkasse Rottweil in Zusammenarbeit mit der Stadt. Finanziert wird es nach Angaben der Stadt ausschließlich über Sponsoren; die Stadt ist inhaltlich eingebunden, trägt aber nicht die Verantwortung.
Für das Projekt hat das Forum Kunst nach Angaben Knubbens einen Antrag auf Unterstützung aus dem diesjährigen Innovationsfonds des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst gestellt. Eine Entscheidung steht noch aus; man sei zuversichtlich. In der Vergangenheit habe der Kunstverein auf diesem Weg mehrfach Förderung erhalten, etwa für das Projekt „schwartARTtor“ zum 50-jährigen Jubiläum. In der Pressemitteilung der Landesgartenschau-Gesellschaft heißt es dagegen, das Vorhaben werde vom Wissenschaftsministerium unterstützt.
Der Wettbewerb ist zweistufig angelegt. Zunächst sollen die rund 500 Mitglieder des Künstlerbundes Baden-Württemberg angesprochen werden. Auf Nachfrage stellt Knubben klar, dass sich auch Kunstschaffende bewerben können, die dem Künstlerbund nicht angehören: Die Ausschreibung werde öffentlich sein, Bedingung sei allein ein Bezug zu Baden-Württemberg – die Bewerber müssten aus dem Land stammen oder hier leben und arbeiten.
In der ersten Stufe prüft das Forum Kunst nach Knubbens Angaben, welche Vorschläge technisch umsetzbar sind und den Ausschreibungsbedingungen entsprechen. In der zweiten Stufe entscheidet die Jury über die zehn zu realisierenden Beiträge. Sie soll Anfang 2027 feststehen, wenn die Finanzierung gesichert ist, und voraussichtlich acht bis zehn Personen umfassen: neben Knubben mindestens ein Mitglied aus Vorstand oder Beirat des Kunstvereins, Verantwortliche des Künstlerbundes Baden-Württemberg sowie Vertreter der Stadt, des Landesgartenschau-Teams und der Sponsoren. Zehn Künstlerinnen und Künstler sollen am Ende je einen Viaduktbogen gestalten. Inhaltlicher Rahmen ist das Thema „Natur und Technik“.
Waggon fährt am 4. Oktober nach Ellwangen
Sichtbar wird das Kunstprogramm schon vor 2028: Ab September soll ein ehemaliger Waggon der NESA und der Eisenbahnfreunde für das Projekt „KULTUR im ZUG“ umgestaltet werden. Veranstalter sind die Stadt Rottweil und das Landesgartenschau-Team, die Idee stammt von Knubben. Sie richtet sich nach seinen Angaben nicht an einzelne Künstlerinnen und Künstler, sondern an Vereine und Institutionen, die im weitesten Sinne Kultur transportieren.
Der Waggon soll Kunst- und Kulturschaffenden, dem Handwerk und Vereinen Raum für wechselnde Präsentationen bieten und bei rund 25 bis 40 Fahrten eingesetzt werden. Außerhalb der Fahrten steht er nach Angaben Knubbens zwei Jahre lang am Bahnhof und weist dort werbend auf die Landesgartenschau hin. Veranstaltungen im Waggon sind in diesen Zeiten nicht möglich; die Pressemitteilung hatte eine solche Nutzung in Aussicht gestellt.
Die erste Fahrt ist für den 4. Oktober vorgesehen, wenn ein Dampfzug mit mehreren hundert Fahrgästen zur Landesgartenschau nach Ellwangen fährt. Der Termin hat eine zusätzliche Note: Die Landesgartenschau in Ellwangen läuft seit dem 24. April und endet genau an diesem 4. Oktober – die Rottweiler Premierenfahrt fällt damit auf den Schlusstag der laufenden Schau.
Was aus den „Platzhaltern“ wird
Weiterlaufen soll die „Platzhalter“-Kunst, mit der seit einigen Jahren an verschiedenen Orten in Rottweil auf die Landesgartenschau hingewiesen wird. Sie soll bis zum Ende der Gartenschau zu sehen sein. Die Installation von Otmar Hörl auf dem Bockshof wurde inzwischen zurückgebaut; dort soll später eine neue Installation mit Hörls Rosen entstehen.
Offen ist bislang, wie sich der Landkreis Rottweil künstlerisch auf dem Gelände präsentiert. Die Möglichkeiten würden derzeit geprüft, heißt es. Denkbar seien nach Angaben von Waldschütz ein Kunstcontainer oder ein „Landesgartenschauatelier“ in der Langhalle des historischen Bahnbetriebsgebäudes, in dem Künstlerinnen und Künstler für jeweils eine oder zwei Wochen arbeiten und Einblick in ihre Arbeit geben könnten.
Ergänzt werden soll das Programm durch eine Jahresausstellung des Forum Kunst Rottweil unter dem Titel „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“, ebenfalls kuratiert von Knubben. Auf diese Ausstellung beschränkt sich nach seinen Angaben auch die angekündigte Beteiligung nationaler und internationaler Künstlerinnen und Künstler. Die Planungen liefen bereits an, seien aber kompliziert und aufwendig. Die beiden Wettbewerbe richten sich dagegen ausschließlich an Kunstschaffende mit Bezug zum Landkreis Rottweil beziehungsweise zu Baden-Württemberg.
Weitere Beiträge sind nach Knubbens Angaben eine von Michael Grimm kuratierte „Bunker“-Installation am Hochturm sowie möglicherweise eine von Robert Hak verantwortete Graffiti-Aktion. Außerdem sollen Kunststationen außerhalb der Kernstadt einbezogen werden, darunter die Kunststiftung Erich Hauser, KunstDünger und der Skulpturengarten Tobias Kammerer.
Einordnung
Kunst im öffentlichen Raum ist in Rottweil kein neues Thema. Die Skulpturenmeile in der Königstraße und weitere Standorte im Stadtgebiet bilden dafür den Rahmen, an den die Gartenschau-Projekte anknüpfen sollen.
Bis zur Landesgartenschau 2028 sind es noch rund zwei Jahre. Der Zeitplan für die Ausschreibungen ist inzwischen grob umrissen, die Jurybesetzungen stehen jedoch in beiden Wettbewerben noch nicht fest. Eine schriftliche Verfahrensordnung gibt es bislang nicht.
Offen bleiben auch Angaben zu Honoraren für die ausgewählten Arbeiten sowie zu Material-, Transport- und Versicherungskosten und zur Haftung während der Standzeit. Für Bewerberinnen und Bewerber sind das kalkulationsrelevante Größen. Ebenfalls ungeklärt ist, wie viele der Arbeiten nach der Gartenschau dauerhaft in Rottweil bleiben.
Zu diesen Punkten haben wir die Stadt und die Landesgartenschau-Gesellschaft um Auskunft gebeten.
Erstveröffentlichung: 18. August 2026. Überarbeitete Fassung: 22. August 2026. Aktualisiert am 23. August 2026 um Angaben von Kurator Johannes Waldschütz.

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