Slapstick, Spaß und ein italienisch schnatternder Gockel: Zimmertheater vor dem Ende der Sommersaison ’26

Peter Staatsmanns Fassung setzt auf Zirkus und Livemusik – und trifft die Erwachsenen mindestens so wie die Kinder.

Autor / Quelle:
Lesezeit 4 Min.

Die Freilichttribüne im Rottweiler Bockshof war am frühen Samstagabend vollbesetzt. Das Zimmertheater Rottweil zeigte „Die Bremer Stadtmusikanten” am zweitletzten Spieltag der Sommersaison. Was als Märchen für Kinder angekündigt ist, erweist sich in der Fassung von Peter Staatsmann als ein Stück übers Älterwerden – außerordentlich komödiantisch erzählt, aber mit ernstem Boden.

Esel, Hund, Katze und Hahn sind alt geworden. Sie schaffen ihre Arbeit nicht mehr, und ihre Bauern wollen sie loswerden. Der Esel macht sich auf den Weg nach Bremen, die anderen schließen sich an – ermutigt von dem Satz, der aus dem Grimm’schen Märchen ins Sprichwort gewandert ist: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall.” In Bremen kommen die vier nie an. Unterwegs entdecken sie eine Hütte, die sich als Räuberhöhle entpuppt, und erobern sie sich mit Zusammenhalt und Mut.

Ein Märchen, das auch die Erwachsenen meint

Regisseur Peter Staatsmann, der auch die Fassung geschrieben hat, nimmt den Ausgangspunkt der Geschichte ernst: vier Figuren, die aussortiert werden, weil sie nicht mehr leisten, was von ihnen erwartet wird. Für die Kinder unter den Zusehern auf der Tribüne ist das ein großes Erlebnis – faszinierend, verzaubernd und in den Räuberszenen auch ein wenig beängstigend. Für die Erwachsenen läuft darunter eine zweite Erzählung mit: übers Älterwerden, über den Wert eines Lebens jenseits seiner Verwertbarkeit und darüber, dass man Gleichgesinnte finden und Dinge ändern kann. Der Abend belehrt niemanden. Er stellt die Frage nebenbei, zwischen zwei Lachern.

Clowns, Zirkusnummern und Livemusik

Ausgelassen ist der Ton, den das Ensemble anschlägt. Raphael Bantle, Thomas Giegerich, Olivier Günter, Martin Olbertz, Valentina Sadiku und Mario Schnell agieren sichtlich aufeinander eingespielt; zwei ausgebildete Clowns gehören zur Truppe und bringen Zirkusnummern in den Abend, die das Märchen immer wieder aufbrechen. Der Kunstgriff der Rottweiler Fassung: Die Tiere wollen hier nicht Stadtmusikanten werden, sondern „richtige” Clowns. Großes Geschnatter bricht aus. Ein äußerst lebhaftes Bild. Dorin Grama und Nicholas Charkviani begleiten das live. Die Bühne von Alana Nastold und die Kostüme von Bettina Schültke, die auch die Dramaturgie verantwortet, halten sich an das, was der Hof hergibt – und lassen dem Spiel den Vortritt.

Dass das Publikum von vier bis, wie das Theater erklärt, hundert Jahren gemeinsam an denselben Stellen lacht, spricht für die Machart. Nach zwei Stunden ohne Pause gab es an diesem Abend anhaltenden Applaus. Und für die Akteure, die teils einen anstrengenden Anreisenachmittag hinter sich hatten, eine Pause von 60 Minuten. Dann folgte schon eine weitere Vorstellung von “Das kalte Herz“. Ebenfalls die zweitletzte in diesem Jahr.

Service

„Die Bremer Stadtmusikanten” ist im Bockshof noch am morgigen Sonntag, 9. August 2026, zu sehen. Karten kosten 25 Euro, ermäßigt und für Kinder 10 Euro; erhältlich telefonisch unter 0741 8990, näheres auch unter https://zimmertheater-rottweil.de/karten-2. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Beginn. Bei schlechtem Wetter wird ins Zimmertheater am Friedrichsplatz 2 verlegt; die Wetter-Hotline unter 0157 51667613 gibt ab 16 Uhr Auskunft. Wer noch Karten möchte, sollte rasch reservieren. Gerade die Abschlussvorstellungen sind gerne früh ausverkauft.

Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet

Danke, dass Sie die NRWZ lesen.

NRWZ.de ist kostenlos. Damit das so bleibt, brauchen wir Werbeeinnahmen — die funktionieren besser mit Ihrer Einwilligung. Nutzen Sie NRWZ kostenlos mit Werbung oder unterstützen Sie unsere Redaktion mit einer Steady-Mitgliedschaft und lesen dafür werbefrei.

Kostenlos mit Werbung

Der kostenlose Zugang wird durch Werbung finanziert. Dafür bitten wir um Ihre Einwilligung in die dafür notwendigen Cookies und Dienste.

Bereits Mitglied? Dann können Sie sich direkt einloggen:

Werbefrei mit Steady

Mit Steady unterstützen Sie unabhängigen Lokaljournalismus aus der Region und lesen NRWZ ohne Werbung*.

*Frei von Werbung über die externen Anbieter Google und Taboola. Lokale Werbung zeigen wir im Interesse unserer Direktkunden weiterhin an.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und im Impressum.