tanken

Hohe Spritpreise: Umstieg auf E-Autos erreicht Rekordwert – Baden-Württemberg fällt zurück

Vielfahrer und Käufer gebrauchter Stromer treiben den Trend. Im Kreis Rottweil lag der E-Auto-Anteil zuletzt auf Platz 33 von 35 im Land.

Autor / Quelle:
Lesezeit 17 Min.
Bild von Markus Spiske auf Pixabay

Der Umstieg vom Verbrenner auf das Elektroauto hat sich in Deutschland binnen weniger Monate etwa verdoppelt. Nach Zahlen des Autoversicherers HUK-Coburg fiel im zweiten Quartal 2026 bei jedem achten privaten Fahrzeugwechsel die Wahl auf ein reines E-Auto. Als Treiber gelten die seit dem Iran-Krieg deutlich gestiegenen Sprit­preise. Baden-Württemberg gehört bei diesem Tempo allerdings zu den schwächeren Bundesländern – und der Kreis Rottweil lag beim E-Auto-Bestand zuletzt fast am Ende der Landesrangliste.

Von 6,3 auf 12 Prozent in einem halben Jahr

Grundlage der Zahlen ist das HUK-E-Barometer, für das der Versicherer die Fahrzeugwechsel in seinem eigenen Bestand auswertet. Danach wurde im zweiten Quartal 2026 bei 12,0 Prozent aller privaten Wechsel ein Verbrenner durch ein reines Elektroauto ersetzt.

Im Januar und Februar 2026, also vor Beginn des Iran-Kriegs, lag die Quote nach Angaben der HUK bei 6,3 Prozent. Im ersten Quartal waren es 7,5 Prozent, wie die NRWZ im Juni berichtete. Innerhalb eines halben Jahres hat sich der Wert damit annähernd verdoppelt.

Gebrauchtwagen und Vielfahrer reagieren am schnellsten

Auffällig ist, wer umsteigt. Bei Autofahrern mit mehr als 12.000 Kilometern Jahresfahrleistung liegt die Umstiegsquote bei 14,7 Prozent, bei Wenigfahrern bei 8,0 Prozent. Noch größer ist der Abstand, wenn ein gebrauchtes E-Auto angeschafft wird: 10,7 zu 4,5 Prozent.

Insgesamt legten die Wechsel auf gebrauchte Elektroautos stärker zu als die auf Neuwagen. Die HUK führt das darauf zurück, dass Gebrauchtwagen ohne Bestell- und Lieferfristen verfügbar sind und Käufer damit schneller auf steigende Kraftstoffkosten reagieren können. Ein Beleg für diesen Zusammenhang ist das allerdings nicht – die Daten zeigen zunächst nur ein zeitliches Zusammentreffen.

Was an der Zapfsäule passiert ist

Zur Einordnung: Nach Erhebungen des ADAC schnellten die Kraftstoffpreise nach Kriegsbeginn Ende Februar nach oben. Super E10 erreichte am 6. April mit 2,192 Euro je Liter den bisherigen Jahreshöchststand, Diesel kostete in der Spitze 2,447 Euro. Anfang August lagen die bundesweiten Tagesdurchschnitte bei 2,128 Euro für Super E10 und 2,204 Euro für Diesel.

Zwischenzeitlich hatte der Bund die Energiesteuer vom 1. Mai bis 30. Juni gesenkt. Für Pendler im ländlichen Raum – und damit für viele Menschen im Kreis Rottweil, die täglich zwischen Wohnort und Arbeitsplatz unterwegs sind – schlagen solche Preisniveaus stärker durch als in Ballungsräumen mit dichtem Nahverkehr.

Infokasten

So teuer war Sprit 2026

Monatsdurchschnitte Deutschland

MonatSuper E10Diesel
Januar1,739 €1,692 €
Februar1,760 €1,722 €
März2,022 €2,164 €
Mai1,983 €1,991 €

Höchststände und aktueller Stand

  • Super E10: 2,192 € je Liter am 6. April – Jahreshöchststand
  • Diesel: 2,447 € je Liter in der Spitze; ab 1. April sechs Allzeithochs in Folge
  • Der März-Schnitt von 2,164 € war der höchste Diesel-Monatswert, der je gemessen wurde
  • 5. August: Super E10 2,128 €, Diesel 2,204 €
Vom 1. Mai bis 30. Juni senkte der Bund die Energiesteuer. Die Entlastung lag rechnerisch bei 16,7 Cent brutto je Liter. Der Iran-Krieg begann Ende Februar – bis dahin kostete Diesel weniger als Super E10.

Quelle: ADAC (Bundesdurchschnitte)

Jeder Vierte denkt wegen der Spritpreise über ein E-Auto nach

Neben den Versicherungsdaten stützt sich das E-Barometer auf eine Umfrage. Danach gaben 24 Prozent der Befragten mit Führerschein an, wegen der Entwicklung der Diesel- und Benzinpreise seit Beginn des Iran-Kriegs erstmals über die Anschaffung eines reinen Elektroautos nachzudenken oder einen ohnehin geplanten Kauf vorzuziehen.

Infokasten

Rechenbeispiel Pendler: 100 Kilometer im Vergleich

Kosten je 100 Kilometer

Antrieb und LadeortPreisKosten
Diesel, 6,0 l/100 km2,20 €/l13,20 €
E-Auto, Haushaltsstrom37,2 ct/kWh7,07 €
E-Auto, Schnellladen im Abo39 ct/kWh7,41 €
E-Auto, Schnellladen ad hoc69 ct/kWh13,11 €

Hochgerechnet auf ein Pendlerjahr

2.320 €

Diesel

1.240 €

E-Auto, zu Hause geladen

2.310 €

E-Auto, nur Schnellladen ohne Abo

  • Annahme: 40 Kilometer je Strecke, 220 Arbeitstage – das sind 17.600 Kilometer im Jahr
  • E-Auto gerechnet mit 19 kWh je 100 Kilometer inklusive Ladeverlusten
Der Kostenvorteil des E-Autos hängt fast vollständig daran, ob zu Hause oder am Arbeitsplatz geladen werden kann. Wer ausschließlich zum Ad-hoc-Tarif an der Schnellladesäule lädt, fährt kaum günstiger als mit einem sparsamen Diesel. Nicht enthalten sind Anschaffung, Wertverlust, Steuern, Versicherung und Wartung.

Berechnung der NRWZ. Grundlagen: ADAC (Kraftstoffpreise), EnBW (Haushaltsstrompreis 2026: 37,2 ct/kWh), Marktübersichten zu Ladetarifen 2026

HUK fordert Prämie auch für gebrauchte E-Autos

Jörg Rheinländer, im Vorstand der HUK-Coburg für die Kfz-Versicherung zuständig, sieht in gebrauchten Elektroautos den entscheidenden Hebel. Der Trend ließe sich nach seiner Einschätzung verstärken, „wenn neben den Käufern von Neuwagen auch die Käufer gebrauchter E-Autos von der staatlichen E-Autoprämie profitieren könnten“.

Die seit Januar 2026 geltende Kaufprämie ist bislang auf Neufahrzeuge beschränkt. Einzuordnen ist die Forderung außerdem vor dem Hintergrund, dass die HUK-Coburg als größter deutscher Kfz-Versicherer selbst Marktteilnehmer ist und die Zahlen aus ihrem eigenen Versichertenbestand stammen – nicht aus der amtlichen Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts.

Infokasten

Was die E-Auto-Prämie 2026 bringt

6.000 €

maximale Förderung

80.000 €

Obergrenze zu versteuerndes Einkommen

36 Monate

Mindesthaltedauer

Fördersätze für reine E-Autos

Zu versteuerndes Einkommenohne Kind2 Kinder
bis 45.000 €5.000 €6.000 €
45.001 bis 60.000 €4.000 €5.000 €
60.001 bis 80.000 €3.000 €4.000 €

Wer und was gefördert wird

  • Je Kind unter 18 Jahren gibt es 500 Euro obendrauf, angerechnet werden höchstens zwei Kinder
  • Die Einkommensgrenze steigt je Kind um 5.000 Euro, maximal auf 90.000 Euro
  • Plug-in-Hybride: Basisförderung 1.500 Euro, höchstens 4.500 Euro – nur bei maximal 60 g CO₂ je Kilometer oder mindestens 80 Kilometern elektrischer Reichweite
  • Nur Neufahrzeuge. Leasing ist förderfähig, wenn der Vertrag mindestens 36 Monate läuft
  • Eine Preisobergrenze für das Fahrzeug gibt es nicht

So läuft der Antrag

  • Antrag erst nach der Zulassung, Frist: zwölf Monate ab Erstzulassung
  • Ausschließlich online über die Förderzentrale Deutschland, Papieranträge werden nicht bearbeitet
  • Nötig ist ein BundID-Konto mit Online-Ausweis oder Elster-Zertifikat – Benutzername und Passwort reichen nicht
  • Einkommensnachweis: die beiden aktuellsten Steuerbescheide, höchstens drei Jahre alt. Das BAFA bildet daraus den Durchschnitt
  • Wer das Auto vor Ablauf von 36 Monaten abgibt, muss die Prämie vollständig zurückzahlen
Für das Programm stehen rund drei Milliarden Euro bereit, gerechnet wird mit etwa 800.000 geförderten Fahrzeugen. Das Antragsportal ist seit Mai 2026 geöffnet.

Quellen: BAFA, Verbraucherzentrale

Zustimmung wächst – vor allem bei Frauen

Erstmals seit Beginn der Quartalsmessungen im Jahr 2024 bewertet mehr als die Hälfte der Befragten Elektroautos als „gut“ oder „sehr gut“ (52 Prozent). Der Zuwachs geht vor allem auf Frauen zurück: Ihre Zustimmung stieg von 37 auf 45 Prozent, bei Männern von 54 auf 59 Prozent.

Tesla zurück, deutsche Marken bei Neuwagen unter Druck

Bei den Neuwagen verschieben sich die Marktanteile deutlich. Tesla kam im ersten Halbjahr 2026 unter den Umsteigern auf 12,2 Prozent, nachdem der Anteil im Vorjahr von 15,5 auf 5,6 Prozent gefallen war. Der chinesische Hersteller BYD steigerte sich von 0,8 auf 3,3 Prozent, Leapmotor von 1,8 auf 3,4 Prozent.

Alle deutschen Marken mit Ausnahme von Opel verloren dagegen Anteile, wenn Umsteiger einen neuen Stromer kauften. Bei gebrauchten E-Autos sieht das Bild anders aus: Dort ist jedes sechste Fahrzeug ein VW (17,1 Prozent). Auch Audi (5,4 auf 6,8 Prozent), Škoda (2,7 auf 5,0) und Cupra (2,2 auf 3,0) legten zu.

Baden-Württemberg unter dem Schnitt – Kreis Rottweil weit hinten

Regional fällt die Entwicklung sehr unterschiedlich aus. Am stärksten wächst der private E-Auto-Bestand 2026 bisher in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, vor Bayern. Schlusslichter sind Sachsen und Berlin. Baden-Württemberg liegt bei der Wachstumsdynamik inzwischen unter dem Bundesdurchschnitt – mit Ausnahme von Stuttgart.

Die Landeshauptstadt weist unter den 15 größten deutschen Städten den höchsten privaten E-Auto-Anteil auf (5,3 Prozent). Bundesweit an der Spitze steht der Landkreis Starnberg mit 7,4 Prozent. Am unteren Ende liegen Frankfurt/Oder (1,4 Prozent) sowie die Kreise Görlitz und Vogtlandkreis (je 1,5 Prozent). Das langsamste Wachstum verzeichnet derzeit Gelsenkirchen – weniger als ein Sechstel des Tempos der Spitzenreiter Cloppenburg und Schweinfurt.

Zahlen für den Kreis Rottweil nennt das aktuelle E-Barometer nicht. Bei der Auswertung zum Stichtag Ende September 2025 lag der Landkreis unter den 35 baden-württembergischen Stadt- und Landkreisen auf Platz 33 – sowohl beim Bestand als auch bei der Wechselquote unterdurchschnittlich. Ob der bundesweite Schub der vergangenen Monate auch hier angekommen ist, lässt sich anhand der veröffentlichten Daten bislang nicht sagen.

Bei der Ladeinfrastruktur dagegen zieht der Kreis an. Nach dem Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur mit Stand 28. Juli 2026 gibt es im Landkreis Rottweil 335 öffentlich zugängliche Ladepunkte. 82 davon – knapp ein Viertel des gesamten Bestands – gingen allein im laufenden Jahr in Betrieb. Das ist mehr als in jedem vollständigen Vorjahr: 2025 kamen 40 Ladepunkte hinzu, 2024 waren es 38.

Auffällig ist der hohe Anteil an Schnellladepunkten: 110 der 335 Ladepunkte laden mit hoher Leistung, das sind 32,8 Prozent. In Baden-Württemberg insgesamt sind es 19,1 Prozent, bundesweit 27,9 Prozent. Ein Grund dürfte die A81 sein – die 20 Ladepunkte in Dietingen stehen sämtlich an der Raststätte Neckarburg, betrieben von Ionity und EnBW.

Infokasten

Laden im Kreis Rottweil

335

öffentliche Ladepunkte im Landkreis

110

davon Schnellladepunkte

82

Ladepunkte kamen 2026 hinzu

Ladepunkte je Gemeinde

GemeindeStandorteLadepunktedavon schnell
Rottweil448329
Schramberg214013
Zimmern ob Rottweil17375
Oberndorf am Neckar173410
Sulz am Neckar13254
Dietingen162020
Vöhringen161918
Fluorn-Winzeln9144
Lauterbach9110
Aichhalden7101
Schiltach5104
Hardt380
Deißlingen370
Dornhan240
Dunningen240
Bösingen232
Eschbronn120
Villingendorf120
Wellendingen120
Epfendorf000
Schenkenzell000
Landkreis gesamt189335110

Was auffällt

  • Epfendorf und Schenkenzell sind im Register mit keiner einzigen öffentlichen Ladeeinrichtung vertreten
  • In Dietingen stehen alle 20 Ladepunkte an der A81-Raststätte Neckarburg, Betreiber sind Ionity und EnBW
  • In Vöhringen sind 18 der 19 Ladepunkte Schnelllader, überwiegend ein Tesla-Supercharger an der Eythstraße
  • Der Anteil der Schnellladepunkte liegt im Kreis bei 32,8 Prozent – deutlich über dem Landeswert von 19,1 Prozent
  • Die installierte Ladeleistung im Kreis summiert sich auf rund 18,5 Megawatt
Das Register erfasst nur Betreiber, die das Anzeigeverfahren der Bundesnetzagentur vollständig abgeschlossen haben. Die tatsächliche Zahl öffentlich zugänglicher Ladepunkte liegt daher höher. Bundesweit weist die Liste 207.225 Ladepunkte aus, für Baden-Württemberg 34.953. Ortsteil-Schreibweisen wurden für diese Auswertung den 21 Gemeinden des Kreises zugeordnet.

Quelle: Bundesnetzagentur, Ladesäulenregister, Stand 28. Juli 2026; eigene Auswertung

Plug-in-Hybride legen zu, Mild-Hybride verlieren

Seit Jahresbeginn sind auch Plug-in-Hybride förderfähig. Nach den HUK-Daten stiegen vor allem Benzin- und Dieselfahrer verstärkt auf diese Antriebsart um, besonders bei Gebrauchtwagen. Umstiege auf Mild- und Voll-Hybride ohne externe Lademöglichkeit gingen dagegen zurück.

Bemerkenswert ist ein weiterer Wert: 39,4 Prozent der bisherigen Plug-in-Fahrer entschieden sich beim Neuwagenkauf im zweiten Quartal für ein reines E-Auto – mehr als die 38,1 Prozent, die beim Plug-in-Hybrid blieben.

Zur Datengrundlage

Das HUK-E-Barometer kombiniert Daten aus dem Versicherungsbestand der HUK-Coburg mit einer Online-Befragung. Der Versicherer zählt nach eigenen Angaben 14,5 Millionen Fahrzeuge und einen Marktanteil von knapp einem Viertel an den privat zugelassenen Pkw. Für die Umfrage befragte YouGov Deutschland zwischen dem 8. und 31. Mai 2026 insgesamt 4.121 Personen ab 16 Jahren; die Ergebnisse wurden gewichtet und sind laut Anbieter repräsentativ. Die Bestandsdaten bilden allein den Kundenkreis der HUK ab und sind nicht mit der amtlichen Zulassungsstatistik gleichzusetzen.

Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet

Danke, dass Sie die NRWZ lesen.

NRWZ.de ist kostenlos. Damit das so bleibt, brauchen wir Werbeeinnahmen — die funktionieren besser mit Ihrer Einwilligung. Nutzen Sie NRWZ kostenlos mit Werbung oder unterstützen Sie unsere Redaktion mit einer Steady-Mitgliedschaft und lesen dafür werbefrei.

Kostenlos mit Werbung

Der kostenlose Zugang wird durch Werbung finanziert. Dafür bitten wir um Ihre Einwilligung in die dafür notwendigen Cookies und Dienste.

Bereits Mitglied? Dann können Sie sich direkt einloggen:

Werbefrei mit Steady

Mit Steady unterstützen Sie unabhängigen Lokaljournalismus aus der Region und lesen NRWZ ohne Werbung*.

*Frei von Werbung über die externen Anbieter Google und Taboola. Lokale Werbung zeigen wir im Interesse unserer Direktkunden weiterhin an.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und im Impressum.