Das Land Baden-Württemberg baut die Tagespflege für ältere und pflegebedürftige Menschen aus – am Landkreis Rottweil geht die Förderung in diesem Jahr allerdings vorbei. Von den rund 2,5 Millionen Euro, die das Sozialministerium am Mittwoch für acht Projekte im Land zugesagt hat, fließt kein Euro in den Kreis. Das nächstgelegene geförderte Vorhaben entsteht im benachbarten Rosenfeld.
Acht Projekte, rund 150 neue Plätze
Das Geld stammt aus dem Innovationsprogramm Pflege, das das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit jährlich auflegt. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf der Entlastung pflegender Angehöriger: Gefördert wird ausschließlich der Ausbau teilstationärer Angebote, also von Tagespflege-Einrichtungen. Insgesamt entstehen nach Angaben des Ministeriums rund 150 neue Plätze.
Sozial- und Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand (Grüne) verwies bei der Vorstellung des Programms in Stuttgart auf die Zahlen im Land: Mehr als 600.000 Menschen in Baden-Württemberg sind pflegebedürftig, rund 85 Prozent von ihnen werden zu Hause versorgt. Etwa zwei Drittel dieser Gruppe werden ausschließlich von Angehörigen betreut – ohne ambulanten Pflegedienst.
Pflegende Angehörige leisteten „Tag für Tag Enormes“ und bräuchten „verlässliche Unterstützung, damit sie die häusliche Pflege bewältigen können“, so Hildenbrand.
Zwei geförderte Projekte im Zollernalbkreis
Für den Raum Rottweil ist vor allem ein Vorhaben von Bedeutung: In Rosenfeld, wenige Kilometer östlich von Sulz am Neckar und Dornhan, baut die Sozialstation Oberes Schlicherntal eine Tagespflege mit 25 Plätzen auf. Das ist die größte der acht geförderten Einrichtungen. Das Land gibt dafür 260.000 Euro.
Ein zweites Projekt im Zollernalbkreis entsteht in Albstadt-Truchtelfingen: Die SENOVA GmbH richtet dort eine Tagespflege mit 24 Plätzen ein und erhält 360.000 Euro.
Rechnerisch fällt auf, dass die Förderung offenbar bei 20.000 Euro je Platz gedeckelt ist – dieser Wert wird in fünf der acht Fälle exakt erreicht. Rosenfeld liegt mit rund 10.400 Euro je Platz deutlich darunter, Albstadt-Truchtelfingen mit 15.000 Euro ebenfalls. Warum die Zuschüsse unterschiedlich hoch ausfallen, geht aus der Mitteilung des Ministeriums nicht hervor.
Was Tagespflege leistet
Tagespflege ist ein teilstationäres Angebot: Pflegebedürftige werden tagsüber in einer Einrichtung betreut, versorgt und beschäftigt, kehren abends aber in ihre eigene Wohnung zurück. Für Angehörige, die berufstätig sind oder selbst an Grenzen kommen, ist das oft die Voraussetzung dafür, die Pflege zu Hause überhaupt weiterführen zu können. Die Pflegekassen übernehmen einen Teil der Kosten; der Anspruch ist im Pflegeversicherungsgesetz geregelt.
Der Aufbau solcher Einrichtungen scheitert in der Fläche häufig an zwei Punkten: an den Investitionskosten für geeignete, barrierefreie Räume und an der Personalsuche. Das Landesprogramm setzt beim ersten Punkt an – die laufenden Betriebskosten trägt es nicht.
Die geförderten Projekte im Überblick
- Altensteig (Landkreis Calw), Stadt Altensteig: 16 Plätze, 320.000 Euro
- Albstadt-Truchtelfingen (Zollernalbkreis), SENOVA GmbH: 24 Plätze, 360.000 Euro
- Neukirch (Bodenseekreis), Gemeinde Neukirch: 15 Plätze, 300.000 Euro
- Bad Saulgau (Landkreis Sigmaringen), Vinzenz von Paul gGmbH aus Göppingen: 14 Plätze, 192.983 Euro
- Rosenfeld (Zollernalbkreis), Sozialstation Oberes Schlicherntal: 25 Plätze, 260.000 Euro
- Geislingen an der Steige (Landkreis Göppingen), 5 Täler Pflege GmbH: 20 Plätze, 400.000 Euro
- Siegelsbach (Landkreis Heilbronn), Schönberg Pflege- und Seniorendienste GmbH: 12 Plätze, 240.000 Euro
- Hügelsheim (Landkreis Rastatt), GrundBauImmobilien GmbH: 22 Plätze, 440.000 Euro
In der Summe ergibt das 148 neue Plätze und ein Fördervolumen von 2.512.983 Euro.
