Die Stadt Rottweil bereitet sich auf das Kindergartenjahr 2026/27 vor. Während die Zahl der Kindergartenplätze wegen sinkender Kinderzahlen reduziert wird, entstehen zusätzliche Krippenplätze. Zugleich sollen die Elternbeiträge in den kommenden beiden Jahren steigen. Eine der größten Veränderungen betrifft den bisherigen Kindergarten Himmelreich, der Anfang 2027 in das neue Rewe-Gebäude umzieht und künftig unter neuem Namen geführt wird.
Die Stadt kann nach ihrer Einschätzung auch im kommenden Kindergartenjahr allen Kindern im Alter von einem bis sechs Jahren einen Betreuungsplatz anbieten. Das geht aus der Kommunalen Bedarfsplanung 2026/27 hervor, die zunächst im Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschuss beraten und anschließend vom Gemeinderat beschlossen werden soll.
Die Zahlen zeigen allerdings, dass sich die Situation bei den Kindergartenplätzen verändert. Während im laufenden Kindergartenjahr noch 1085 Plätze zur Verfügung stehen, sollen es künftig 1035 sein. Hintergrund sind vor allem rückläufige Kinderzahlen. Für das Kindergartenjahr 2026/27 rechnet die Verwaltung mit einem Bedarf von 864 Plätzen, zwei Jahre später sogar nur noch mit 829. Trotz der Reduzierung bleibt damit ein deutlicher Puffer bestehen.
Himmelreich wird zu „Emmaus“
Eine der sichtbarsten Veränderungen betrifft das Kinder- und Familienzentrum Himmelreich. Die Einrichtung soll im Januar 2027 in das Rewe-Gebäude umziehen. Gleichzeitig wird das Angebot neu strukturiert. Aus bislang fünf Kindergartengruppen sollen künftig drei Gruppen werden. Dafür kommt eine Krippengruppe hinzu. Auch der Name ändert sich: Künftig soll die Einrichtung als „Kinder- und Familienzentrum Emmaus“ geführt werden. Durch den Umzug verringert sich die Zahl der dort angebotenen Kindergartenplätze um 50.
Bereits Ende Juni 2026 soll außerdem das Edith-Stein-Gebäude für drei Ü3-Gruppen in Betrieb gehen. Dort wird der Kindergarten Hochmauren untergebracht.
Mehr Krippenplätze trotz angespannter Haushaltslage
Während die Zahl der Kindergartenplätze sinkt, baut die Stadt die Betreuung für Kinder unter drei Jahren weiter aus. Die Zahl der Krippenplätze steigt von 235 auf 245. Rechnet man Platzsharing-Angebote und die Tagespflege hinzu, stehen insgesamt 285 Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Betreuungsquote liegt damit bei rund 62 Prozent. Zum Vergleich: Der vom Land genannte Richtwert beträgt 37,8 Prozent.
Nach den Berechnungen der Verwaltung wird die Nachfrage im Krippenbereich allerdings weiter hoch bleiben. Bereits Anfang 2027 könnten die verfügbaren Plätze vollständig belegt sein.
Eltern müssen sich auf höhere Beiträge einstellen
Für viele Familien dürfte vor allem ein anderer Punkt von Bedeutung sein: Die Elternbeiträge sollen in den kommenden beiden Jahren steigen. Die Kindergartenkommission empfiehlt, die gemeinsamen Empfehlungen der kommunalen Landesverbände und der Kirchen vollständig umzusetzen. Vorgesehen ist eine Erhöhung um 4,5 Prozent zum 1. September 2026 sowie um weitere 4,0 Prozent ein Jahr später. Die Kommission hat diesem Vorschlag einstimmig zugestimmt.
Für einen Regelkindergartenplatz für das erste Kind würde der monatliche Beitrag damit von derzeit 174 Euro auf 181 Euro steigen. Ab September 2027 wären dann 189 Euro fällig. Bei Ganztagsangeboten und Krippenplätzen fallen die Erhöhungen entsprechend höher aus. Die Stadt rechnet durch die Anpassung mit zusätzlichen Einnahmen von rund 93.000 Euro im Kindergartenjahr 2026/27 sowie weiteren 87.000 Euro im darauffolgenden Jahr.
Familienpass wird angepasst
Parallel dazu sollen die Einkommensgrenzen für den städtischen Familienpass angehoben werden. Zum 1. September 2026 ist eine Erhöhung um zwei Prozent vorgesehen. Dadurch sollen Familien mit geringeren Einkommen weiterhin von ermäßigten Beiträgen profitieren können. Die Mehrkosten für die Stadt werden auf rund 5000 Euro geschätzt.
Weitere Veränderungen im Kita-Netz
Neben dem Umzug des Himmelreichs und dem Ausbau der Krippenplätze sieht die Planung weitere strukturelle Änderungen vor. So wird die Krippengruppe im Kindergarten „Auf der Brücke“ geschlossen und die Einrichtung zu einer altersgemischten Gruppe umgewandelt. Zudem endet die Spielgruppe des Deutschen Kinderschutzbundes zum 31. Juli 2026. In einem nächsten Schritt sollen die Kindergartenbezirke innerhalb der Stadt neu zugeschnitten werden.
Insgesamt zeigt die Bedarfsplanung, dass die Stadt auf rückläufige Geburtenzahlen reagiert, gleichzeitig aber am Ziel festhält, ausreichend Betreuungsplätze für Familien bereitzuhalten – auch wenn dies angesichts steigender Kosten zunehmend teurer wird.
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