Getauft auf den Namen Rottweil: ein Airbus A320 neo der Lufthansa. Foto: privat

Premiere über den Wolken: Lufthansa tauft neuen Airbus auf den Namen „Rottweil“

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Rottweil hebt ab – zumindest im übertragenen Sinne: Die Lufthansa-Tochter Lufthansa City Airlines bekommt einen brandneuen Airbus A320neo mit dem Namen „Rottweil“. Das haben sowohl die Lufthansa-Pressestelle als auch Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt. Es ist die erste Patenschaft dieser Art zwischen der Stadt und einem Flugzeug der Lufthansa-Flotte – und wie Ruf berichtet, das Ergebnis einer Bewerbung, die er bereits im Februar 2025 persönlich beim Lufthansa-Vorstand eingereicht hatte. Eine NRWZ-Leserin hat uns bereits Bilder von der neuen Maschine zugeschickt.

Die Aufnahmen zeigen einen nagelneuen Airbus mit der Kennung D-AIIE, an dessen Rumpf in großen Lettern der Schriftzug „Rottweil“ zu lesen ist. Nach eigenen Angaben stammen die Fotos unserer Leserin von der Taufe der Maschine. Nach jetzigem Stand der Recherche befindet sich die Maschine allerdings noch im Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder (siehe unten) – die Fotos zeigen sie also vermutlich mit dem frisch aufgebrachten Namen während der Endmontage, nicht notwendigerweise im Rahmen einer großen offiziellen Zeremonie mit Gästen aus Rottweil.

Die Fakten zum Flugzeug

Bei der Maschine handelt es sich um einen Airbus A320-251N (A320neo) mit der Werknummer (MSN) 13208, ausgestattet mit CFM-LEAP-Triebwerken und einer Kabine für 180 Passagiere (Konfiguration CY180). Während der Fertigung im Airbus-Werk Hamburg-Finkenwerder trug die Maschine zunächst die Testkennung D-AUBL, bevor sie ihre endgültige deutsche Zulassung D-AIIE erhielt.

Der Zeitplan der vergangenen Wochen im Überblick, dokumentiert vom auf das Werk Hamburg-Finkenwerder spezialisierten Blog xfw-spotter.blogspot.com:

  • 29. Juli 2026: Erster Testflug (Rufzeichen AIB208A), Strecke Hamburg-Finkenwerder – Hamburg – Hamburg-Finkenwerder
  • 18. August 2026: Zweiter Testflug (Rufzeichen AIB208B), Hamburg-Finkenwerder – Hamburg-Finkenwerder
  • 25. August 2026: Auslieferung an Lufthansa City Airlines, Abflug 10:25 Uhr ab Hamburg-Finkenwerder

Betreiberin der neuen „Rottweil“ ist Lufthansa City Airlines, die jüngste Fluggesellschaft im Lufthansa-Konzern mit Basis in München und einer zweiten Basis seit Februar 2026 in Frankfurt. Die Produktionslogs bei DigitalAirliners.com zeigen, dass die Maschine bereits seit Ende Mai 2026 im Werk Hamburg-Finkenwerder für diesen Zweck gebaut wurde.

Auffällig: Spotter-Quellen und Flugdaten (u. a. Flightradar24) deuteten zunächst darauf hin, dass die Maschine bereits am heutigen Vormittag um 10:25 Uhr das Werk in Hamburg-Finkenwerder Richtung Athen verlassen habe. Sowohl die Lufthansa-Pressestelle als auch Oberbürgermeister Ruf bestätigen jedoch unabhängig voneinander, dass sich die Maschine aktuell noch im Airbus-Werk in Hamburg befindet und dort die abschließenden Montagearbeiten laufen (siehe Zitate unten) – der Name „Rottweil“ sei aber bereits auflackiert. Die vermeintliche Auslieferung nach Athen dürfte demnach ein Irrtum der Flugdaten-Auswertung oder ein bereits vorab im System angelegter, aber noch nicht tatsächlich stattgefundener Flug gewesen sein.

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Foto: privat

Lufthansa bestätigt: „Rottweil“ kommt im Herbst

Eine offizielle Pressemitteilung – weder von der Lufthansa Group noch von der Stadt Rottweil – lag zum Zeitpunkt der ersten Recherche vor. Unsere Redaktion hat sich daher direkt an die Lufthansa-Pressestelle gewandt. Pressesprecherin Sandra Kraft bestätigte auf Anfrage:

Ich kann bestätigen, dass es in Kürze ein Lufthansa Flugzeug mit dem Namen ‚Rottweil‘ geben wird, einen modernen Airbus A320neo. Er befindet sich derzeit für finalisierende Arbeiten im Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder und wird im Herbst bei unserer Konzerntochter Lufthansa City Airlines in Dienst gestellt.“

Damit ist amtlich, was sich aus den Recherchen unserer Redaktion und den Fotos unserer Leserin bereits abzeichnete: Rottweil wird Patenstadt eines Lufthansa-Flugzeugs.

Oberbürgermeister Ruf: Bewerbung lief seit Februar 2025

Auch aus dem Rottweiler Rathaus kommt Bestätigung – und die Geschichte dahinter: Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf hatte sich bereits im Februar 2025 persönlich an den Lufthansa-Vorstand gewandt, um eine Namenspatenschaft für Rottweil anzuregen. Auf Anfrage unserer Redaktion schreibt er:

Ich habe mich im Februar 2025 an den Vorstand der Lufthansa mit der Bitte gewandt, zu prüfen, ob eine Namenspatenschaft ‚Rottweil‘ für ein Flugzeug möglich ist. Die Nachfrage nach solchen Patenschaften ist offenbar sehr groß, die Wartezeiten entsprechend lang – wenn es überhaupt klappt. Umso mehr freuen wir uns, dass wir heute die sehr erfreuliche Nachricht erhalten haben: Wir haben einen Zuschlag erhalten!

Ein Airbus A320neo wird künftig den Namen unserer Stadt Rottweil tragen. Das Flugzeug wird überwiegend in Europa unterwegs sein, mitunter aber auch Ziele im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika anfliegen. Das Flugzeug befindet sich aktuell noch im Airbus-Werk in Hamburg.

Der Name ‚Rottweil‘ ist bereits auflackiert. Derzeit finden noch die abschließenden Montagearbeiten statt. Im Herbst soll der Airbus dann in Dienst gestellt werden.

Natürlich ist das für uns auch aus Marketing- und Sichtbarkeitsgründen eine schöne Sache: Der Name Rottweil wird künftig auf vielen Flughäfen in Europa und darüber hinaus zu sehen sein und unsere Stadt als sympathischen Botschafter in die Welt tragen. Wir freuen uns sehr über diesen besonderen Moment. Mit einem Probeflug wird es leider nichts, kein Flugschein, ich habe nachgefragt.“

Ruf bestätigt damit sowohl den Zeitplan der Lufthansa-Pressestelle als auch, dass die Patenschaft tatsächlich neu und exklusiv für Rottweil ist. Zum künftigen Streckennetz verrät er zudem einen ersten Ausblick: Die Maschine soll überwiegend europäische Ziele bedienen, gelegentlich aber auch in den Nahen und Mittleren Osten sowie nach Nordafrika fliegen.

Erste Patenschaft dieser Art für Rottweil

Mit der Namensgebung erhält die Stadt Rottweil erstmals eine sogenannte „Fliegende-Botschafter“-Patenschaft der Lufthansa. Seit 1960 tauft die Airline im Rahmen dieses Programms Flugzeuge auf die Namen deutscher Städte und Regionen – aktuell warten nach Angaben der Lufthansa Group rund 245 Städte auf eine solche Patenschaft, die Wartezeit kann zwischen zehn und 15 Jahren betragen.

In der unmittelbaren Region ist Rottweil damit in guter Gesellschaft: Auch die Nachbarstädte Tuttlingen und Donaueschingen sind bereits Lufthansa-Patenstädte. Rottweil selbst taucht in der öffentlich einsehbaren Taufnamen-Datenbank der Lufthansa bislang nicht auf – ein Hinweis darauf, dass die Patenschaft ganz neu ist.

Wie die Lufthansa-Pressestelle auf Anfrage erläuterte, geht das Patenschafts-Programm auf das Jahr 1960 zurück:

Im Jahr 1960 wurde erstmals ein Lufthansa Flugzeug getauft. Es war eine Boeing 707 mit dem Kennzeichen D-ABOC. Sie wurde am 16.9.1960 auf den Namen Berlin getauft. Das Ziel war, die Verbundenheit zum Heimatstandort Deutschland jenseits der großen Drehkreuze und Standorte auch in die Regionen zu tragen, aus denen ein Großteil der Lufthansa Passagiere und Mitarbeitenden kommt. In der Zwischenzeit hat sich der Kreis unserer Patenstädte stetig erweitert. Unsere Flotte trägt momentan unter anderem die Namen fast aller deutschen Großstädte, Bundesländer und Landeshauptstädte. Die getauften Flugzeuge sind fliegende Botschafter ihrer Heimat und tragen deren Namen buchstäblich in alle Welt. Momentan gibt es mehr als 300 Patenschaften.“

Zur Auswahl der Patenstädte erklärte Pressesprecherin Sandra Kraft weiter:

Bei der Namens-Vergabe orientiert sich Lufthansa an der historischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung des betreffenden Ortes. Auch Städte, die in besonderer Weise mit der Luftfahrt oder Lufthansa verbunden sind, finden Berücksichtigung. Im Allgemeinen wird darauf geachtet, dass die Einwohnerzahl der Größe des Flugzeugmusters entspricht. Städte haben auch die Möglichkeit, sich für eine Patenschaft zu bewerben und somit ihre Stadt auf eine Warteliste setzen zu lassen. Einmal in den Kreis der Patenstädte aufgenommen, geht der Name auf ein neues Flugzeug über, wenn die ursprünglich getaufte Maschine aus der Lufthansa Flotte ausscheidet. Es gibt niemals mehrere Flugzeuge, die gleichzeitig denselben Städtenamen tragen. Der Flugzeugname steht stets deutlich sichtbar außen angebracht rechts neben der vorderen Eingangstür.“

Damit dürfte Rottweil künftig auf der Warteliste der aktuell rund 245 weiteren Bewerberstädte keine Rolle mehr spielen – die Patenschaft ist bereits vergeben.

Ein einzelner Beleg dafür, dass der Name intern schon länger festgelegt war, findet sich in einem Luftfahrt-Forumsbeitrag vom 3. Mai 2026, der sich auf einen Beitrag eines Flugzeug-Spotters bezieht und bereits damals berichtete, D-AIIE werde den Namen „Rottweil“ tragen (Forum auf airliners.de) – gut vier Monate vor der eigentlichen Taufe.

Rottweil und die Marine: Nicht die erste Patenschaft überhaupt

Neu ist zwar die Verbindung zu einem Flugzeug – nicht neu ist dagegen, dass Rottweil einem Fahrzeug seinen Namen gibt. Bereits seit 1993 ist die Stadt Patin des Minentauchereinsatzbootes „Rottweil“ (M 1061) der Deutschen Marine, das zur Frankenthal-Klasse gehört und in Kiel stationiert ist. Das Boot wurde 2007/2008 zu einem der wenigen Minentaucher-Einsatzboote der NATO umgebaut und ist seither ein Unikat in diesem Bündnis. Erst 2023 feierte eine Rottweiler Delegation in Kiel das 30-jährige Jubiläum dieser Patenschaft. Mit dem neuen Airbus kommt nun erstmals eine Patenschaft in der Luft hinzu.

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