Es wird zur Serie. Im Juni feierte watson.de Rottweil als „Ausflugs-Juwel„, im August wanderte derselbe Text wortgleich weiter zu Familie.de – und seit diesem Donnerstagmorgen, 6.40 Uhr, ist die nächste Liebeserklärung online. Diesmal kommt sie von Mannheim24.de, verfasst von Susanne Gellner, und sie hat sich ein einziges Bauwerk vorgenommen: unseren Testturm.
Die Überschrift lautet: „Das höchste textilverkleidete Gebäude der Welt befindet sich in Baden-Württemberg.“ Und ja, das stimmt.
Erst die Reichweite: Willkommen im Ippen-Netz
Wieder gilt, was schon bei watson galt – der Text steht nicht nur an einer Stelle. Mannheim24 ist Teil des Ippen-Digital-Verbunds: Im Impressum steht die Ippen Digital GmbH & Co. KG in München mit den Geschäftsführern Jan Ippen und Benjamin Marx, verantwortlich ist Chefredakteur Markus Knall. Für die eigenen Inhalte von Mannheim24, Heidelberg24 und Ludwigshafen24 zeichnet zusätzlich die Mannheimer Headline24 GmbH & Co. KG verantwortlich, und Beiträge der Ippen-Zentralredaktion werden automatisiert eingestellt – erkennbar am Kürzel „zr“ in der Adresszeile.
Zum selben Netzwerk gehören auch baden24.de und suedwest24.de. Und genau dorthin verlinkt der Artikel: Eine „kurze Autofahrt weiter“ verspreche ein anderer Turm die weiteste Aussicht Deutschlands, heißt es, mit Quellenangabe baden24.de. Man schreibt also über Rottweil und leitet die Leser gleich zur Schwesterseite weiter. Das ist die Ökonomie des modernen Regionalportal-Verbunds – und für Rottweil trotzdem ein Gewinn, weil der Turm damit in Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen und Umgebung auf den Bildschirmen landet.
Bemerkenswert am Rande: Das Impressum der Portale enthält inzwischen einen eigenen „Hinweis zur Nutzung von KI“. Wer die Fragen-Zwischentitel im Text liest – „Warum ist der Testturm in Rottweil weltberühmt?“, „Was kostet der Eintritt in den Testturm in Rottweil?“ – erkennt jedenfalls das Muster: Das ist für Suchmaschinen geschrieben, nicht für den Spaziergang durch die Hauptstraße.
Was der Text richtig macht
Und das ist diesmal erfreulich viel. 246 Meter Gesamthöhe, Aussichtsplattform auf 232 Metern, rund 17.000 Quadratmeter PTFE-beschichtetes Glasfasergewebe auf sechs gebogenen Stahlrohren, Entwurf von Werner Sobek und dem Büro Helmut Jahns aus Chicago, Balthasar-Neumann-Preis 2018, zwölf Schächte, Aufzugstests mit bis zu 18 Metern pro Sekunde: Diese Zahlen kann man so stehen lassen. Die Kollegin hat sich beim Fachportal BauNetz Wissen bedient statt bei der nächsten Boulevardmeldung – das merkt man.
Auch die Erklärung, warum der Turm überhaupt einen Mantel trägt, geht in die richtige Richtung. Nur würden wir sie anders gewichten: Die Hülle bricht nicht bloß den Wind, sie hält vor allem die Sonne vom Betonschaft ab. Denn ein einseitig aufgeheizter Schaft verformt sich – und ein verformter Schaft ist als Prüfstrecke für Hochgeschwindigkeitsaufzüge wertlos. Die Stoffhülle ist kein Designgag. Sie ist die Bedingung dafür, dass in dem Ding überhaupt gemessen werden kann.
Wo wir doch die Augenbraue heben
Der Superlativ verrutscht. Die Überschrift sagt „höchstes textilverkleidetes Gebäude der Welt“ – das ist der Rekord, den TK Elevator selbst führt, und er ist korrekt. Im Anreißer heißt es dann allerdings: „Die Textilfassade des Testturms in Rottweil ist die größte der Welt.“ Das ist nicht dasselbe, und es dürfte nicht stimmen. 17.000 Quadratmeter sind beachtlich, aber gegen die Membrandächer großer Stadien ist das überschaubar. Der Rottweiler Rekord heißt „höchste“, nicht „größte“. Lieber präzise glänzen als groß daneben.
Und wieder die Altstadt. Der Turm „überragt die mittelalterlichen Kirchtürme der Altstadt“, schreibt Mannheim24, und später steht der Turm „eineinhalb Kilometer nördlich der Rottweiler Altstadt“. Das ist nun der dritte auswärtige Artikel in Folge mit demselben Wort. Es bleibt dabei: Was Besucher bewundern, ist die historische Innenstadt. Die Altstadt liegt weiter östlich, beim Römerpfad. Wir hören nicht auf, das zu sagen.
„Ursprünglich diente der Turm als Forschungszentrum.“ Diente? Er dient. In den Schächten wird weiter getestet, das ist der Betriebszweck. Geändert hat sich nicht die Funktion, sondern der Firmenname: aus Thyssenkrupp Elevator wurde nach dem Verkauf TK Elevator.
Die Standort-Geschichte. Der ursprünglich geplante Standort im Neckartal habe sich als „geologisch ungeeignet“ erwiesen, heißt es zum Schluss. Diese Darstellung würden wir vor dem Nachdruck gerne belegt sehen – die Standortdebatte um das Berner Feld war in Rottweil vielschichtiger als ein Satz Bodengutachten.
Die größte Lücke aber ist eine Auslassung. In einem Text über den Testturm, veröffentlicht im September 2026, kommt die Neckarline nicht vor. Die 606 Meter lange Fußgänger-Hängebrücke, seit 24. April geöffnet, führt Besucher vom Bockshof direkt aufs Berner Feld – also genau dorthin, wo der Turm steht. Wer heute einen Turmbesuch plant, plant die Brücke mit. Dass watson das im Juni wusste und Mannheim24 im September nicht, ist die eigentliche Pointe dieser dritten Folge.
Service: Was Auswärtige wirklich wissen müssen
Hier wird es praktisch – und hier hat der Mannheim24-Text eine Lücke, die Besucher am Wochenende teuer zu stehen kommen könnte.
- Dieses Wochenende geschlossen: Am Sonntag, 20. September 2026, bleibt die Besucherplattform wegen des 7. TK Elevator Towerruns geschlossen. Davon steht im Artikel nichts.
- Reguläre Öffnung: freitags bis sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. So weit deckt sich das mit Mannheim24.
- Aber: In den Ferien wird ausgeweitet. Für den Herbst nennt der Betreiber den Zeitraum 6. Oktober bis 1. November, 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen – ab dem 6. Oktober gilt das „freitags bis sonntags“ also nicht mehr.
- Dann die Pause: Vom 2. bis 30. November ist die Plattform laut Betreiber wegen Wartungsarbeiten zu. Die erweiterte Herbstöffnung endet demnach genau einen Tag vorher.
- Tickets: Mannheim24 nennt 12,50 Euro für Erwachsene und 8 Euro für Kinder und Jugendliche von 6 bis 15 Jahren. Wer online bucht, sollte wissen: Vor Ort gibt es laut Betreiber einen Rabatt von einem Euro pro Erwachsenem. Der bequemere Weg ist also nicht der günstigere.
Alles über den Testturm finden Sie auch hier.
Bleibt: ein Kompliment
Bei allem Erbsenzählen – und wir zählen inzwischen gewerbsmäßig Erbsen – ist auch dieser Text gut für Rottweil. Er beschreibt eine Stadt, in der ein rund 40 Millionen Euro teurer Hightech-Turm neben Münster und Schwarzem Tor steht, und er tut es mit Respekt vor der Ingenieursleistung. Die Stuttgarter Kollegen nannten Rottweil schon zur Plattform-Eröffnung die „Stadt der Türme“. Zehn Jahre später hat sich das offenbar bis nach Mannheim durchgesprochen.
Nur die Altstadt. Die müssen wir irgendwann noch klären.
Transparenzhinweis: Für diesen Beitrag lagen uns weder eine Stellungnahme der Mannheim24-Redaktion noch eine Bestätigung der aktuellen Ticketpreise durch den Betreiber vor. Die Angaben zu Öffnungszeiten und Schließtagen stammen von der Website des Testturms, Stand 17. September 2026. Wer am Wochenende hinauf will, prüfe bitte vorab selbst.
📰 Mehr aus Rottweil
NEU
Mager: Friedrichsplatz wird bis zur Fasnet nicht fertig
vor 5 Minuten
NEU
Asbest im Berufsschulzentrum Rottweil: Schule bleibt am Freitag geschlossen
vor 2 Stunden
NEU
Vom Taxifahrersohn aus Tunis zum Angeklagten: 19-Jähriger gesteht Raubserie
vor 5 Stunden
