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Rauchende und trinkende Eltern: Was Kinder abschauen und was Eltern tun können

KKH-Psychologin Franziska Klemm rät zu klaren, begründbaren Regeln und offenen Gesprächen, auch wenn Jugendliche Suchtmittel ausprobieren.

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Eine von der KKH Kaufmännische Krankenkasse in Auftrag gegebene Umfrage unter 1.005 Eltern zeigt: 27 Prozent der Befragten rauchen, 76,5 Prozent trinken Alkohol. Die KKH hat die Ergebnisse am 19. Oktober veröffentlicht. KKH-Psychologin Franziska Klemm erklärt, wie Kinder Verhaltensmuster übernehmen und wie Eltern ihre Vorbildrolle gestalten können.

Gesundes Essen, viel Bewegung, frische Luft und Eltern, die sich liebevoll kümmern: So sollen Kinder aufwachsen. Doch was, wenn Zigarettenqualm oder das Bier beim Fernsehen zum Alltag gehören? Die KKH Kaufmännische Krankenkasse hat dazu eine Umfrage in Auftrag gegeben und die Ergebnisse in einer bundesweiten Mitteilung vom 19. Oktober veröffentlicht. Regionale Zahlen für den Kreis Rottweil enthält sie nicht.

Was die Umfrage zeigt

Laut KKH raucht rund ein Viertel der befragten Mütter und Väter (27 Prozent) Zigaretten, Zigarillos oder Pfeifen. Von diesen Rauchenden greifen nach eigenen Angaben 17 Prozent täglich zur Zigarette. Die KKH zählt sie damit zu den regelmäßigen oder sogar starken Rauchern.

Alkohol trinken drei Viertel der befragten Eltern (76,5 Prozent). Jeder Zehnte von ihnen konsumiert täglich oder mehrmals pro Woche Bier, Wein, Sekt oder Hochprozentiges. Die KKH weist darauf hin, dass täglicher Alkoholkonsum ein Indiz für eine Abhängigkeit sein kann. Eine Diagnose ist das nicht: Dafür müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, so die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät Erwachsenen, möglichst wenig oder keinen Alkohol zu trinken. Kinder und Jugendliche sollen keinen Alkohol trinken.

Die KKH hat 2026 nach eigener Darstellung eine repräsentative Online-Befragung über das Online Access Panel Bilendi in Auftrag gegeben. Befragt wurden 1.005 gesetzlich und privat versicherte Eltern ab 18 Jahren. Die Fragen lauteten: „Rauchen Sie Zigaretten, Zigarillos oder Pfeifen?“ und „Wie häufig trinken Sie Alkohol?“ Die Kasse hat nach eigenen Angaben rund 1,5 Millionen Versicherte und ein Haushaltsvolumen von rund 8,7 Milliarden Euro. Die Umfrage erfasst die Häufigkeit des Konsums, nicht ausdrücklich, ob in Anwesenheit der Kinder geraucht oder getrunken wird.

Kinder kopieren Verhaltensmuster

„Wenn Eltern Alkohol und Tabak konsumieren, kann dies nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die körperliche und seelische Entwicklung ihres Nachwuchses stark beeinträchtigen, vor allem, wenn im Beisein der Kinder geraucht und getrunken wird“, betont KKH-Psychologin Franziska Klemm laut Mitteilung.

Kinder registrieren demnach schon früh, wie ihre Eltern zu Suchtmitteln stehen, und übernehmen entsprechende Verhaltensmuster. Schon ab dem Vorschulalter ahmen sie rauchende Eltern spielerisch nach. So können Vorstellungen entstehen, Rauchen sei ungefährlich oder ein normales Verhalten von Erwachsenen.

Nach Angaben der KKH-Expertin werden Kinder von Rauchern später deutlich häufiger selbst zu Rauchern als Kinder von Nichtrauchern. Das gilt vor allem, wenn beide Elternteile rauchen. Rauchen Eltern nur in Abwesenheit ihrer Kinder oder mit großem Abstand zu ihnen, sinkt das Risiko zwar. Es bleibt aber höher als bei einem gänzlichen Verzicht auf Tabak.

Ähnliches gilt für Alkohol. Er gilt laut KKH nach wie vor als Kulturgut, ist leicht verfügbar und gesellschaftlich akzeptiert. Erleben Kinder, dass der Feierabend mit einer Flasche Bier beginnt oder Alltagsstress mit einem Glas Wein hinuntergespült wird, befürworten sie dieses Verhalten möglicherweise. Konstruktive Strategien im Umgang mit Belastungen lernen sie dann womöglich nicht kennen.

Wenn Alkohol zur Sucht wird

„Besonders gravierend können die Folgen für den Nachwuchs sein, wenn bei den Eltern eine Alkoholsucht vorliegt. Vor allem, wenn die Eltern aufgrund ihrer Erkrankung keine verlässlichen und verantwortungsbewussten Bezugspersonen sind. Kinder aus betroffenen Familien fühlen sich häufig alleingelassen und überfordert, nicht selten suchen sie die Schuld für die Sucht der Eltern bei sich“, erläutert Klemm.

Kinder im Schulalter bringen demnach oft keine Freunde mit nach Hause, weil sie nicht wissen, in welchem Zustand Mutter oder Vater sind. Andere übernehmen die elterliche Verantwortung und stemmen Aufgaben, zu denen sie in ihrer Entwicklungsphase eigentlich noch gar nicht in der Lage sind: Sie kümmern sich um Geschwister, erledigen Arbeiten im Haushalt oder versuchen sogar, Geld zu verdienen. Schule und Freundschaften können stark darunter leiden.

„In einer suchtbelasteten Familie aufzuwachsen, ist für Kinder seelisch extrem belastend. Deshalb ist es ganz wichtig, diesen Kindern zu vermitteln, dass sie keinerlei Verantwortung für den Suchtmittelkonsum ihrer Eltern tragen“, so die KKH-Psychologin. „Im Gegenteil. Es sind die Eltern, die dringend Hilfe und Unterstützung benötigen – und nur Erwachsene können sie ihnen geben.“ Erwachsene im Umfeld sollten deshalb aufmerksam hinschauen und Hilfe vermitteln, etwa in der Schule, in Betreuungseinrichtungen, als Verwandte oder als Freunde der Eltern.

Klare Regeln und offene Gespräche

Um das Risiko einer Suchterkrankung und gesundheitlicher Schäden bei ihren Kindern zu senken, sollten Eltern ihre eigene Vorbildrolle reflektieren. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol und Tabak und offene Kommunikation können laut KKH dazu beitragen, dass Kinder eine gesunde Einstellung zu Suchtmitteln entwickeln.

Auch in der Jugend bleiben Eltern wichtige Vorbilder, selbst wenn Freundeskreis und soziales Umfeld mit zunehmendem Alter an Einfluss und Bedeutung gewinnen. Eltern sollten unabhängig vom Alter ihrer Kinder widersprüchliche und unschlüssige Signale vermeiden, etwa Aussagen wie „Wir sind älter als du, daher dürfen wir trinken oder rauchen“. Stattdessen sollten sie klare Grenzen aufzeigen. „Welche Regeln sie genau aufstellen, sollten Eltern individuell entscheiden. Wichtig ist nur, dass sie sie nachvollziehbar begründen können“, erläutert die Psychologin.

Probieren Kinder in der Pubertät Suchtmittel aus, ist ebenfalls offene Kommunikation in der Familie gefragt. „Dieses Austesten ist normal und gehört zum Heranwachsen dazu. Was Jugendliche dann brauchen, ist zum einen die Orientierung durch Regeln und damit verbundene Konsequenzen. Zum anderen benötigen sie aber auch die Gewissheit, mit ihren Eltern über ihre eigenen Erfahrungen sprechen und alle Fragen stellen zu können, die sie beschäftigen“, betont Klemm.

Angebote der KKH

Die KKH hält nach eigenen Angaben mehrere Präventions- und Hilfsangebote zum Thema Suchtmittel bereit. Für die Rauchentwöhnung gibt es das Programm „NichtraucherHelden“. Informationen zu Alkoholprävention und Alkoholsucht stellt die Kasse für Eltern auf ihrer Internetseite bereit.

Der Klassenworkshop „Tom & Lisa“ zur Alkoholprävention richtet sich an Schülerinnen und Schüler der siebten und achten Klasse. Er enthält auch Informationen für Eltern zu Erziehungsmethoden mit Blick auf Alkohol. Das Programm „1000 Schätze“ soll die Psyche von Kindern im Grundschulalter stärken und bezieht ebenfalls die Eltern ein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut KKH-Umfrage unter 1.005 Eltern rauchen 27 Prozent, 17 Prozent davon täglich.
  • 76,5 Prozent der Befragten trinken Alkohol, jeder Zehnte davon täglich oder mehrmals pro Woche.
  • Kinder übernehmen Verhaltensmuster und ahmen schon im Vorschulalter rauchende Eltern nach.
  • Kinder suchtbelasteter Eltern tragen keine Verantwortung für den Konsum; Erwachsene im Umfeld sollten hinschauen und Hilfe vermitteln.
  • Eltern sollten klare, begründbare Regeln aufstellen und mit Jugendlichen offen über deren Erfahrungen sprechen.
  • Die KKH nennt unter anderem „NichtraucherHelden“, „Tom & Lisa“ und „1000 Schätze“.
Autor / Quelle:Pressemitteilung (pm)
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