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Vögel füttern im Winter: Wann, womit – und was das Futterhaus nicht leistet

NABU-Experte Stefan Bosch rät zu Sonnenblumenkernen statt Brot – und erklärt, warum Laub und Stauden mehr helfen als jedes Futtersilo.

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Meisen, Amseln und Rotkehlchen sind derzeit in vielen Gärten unterwegs – auch im Kreis Rottweil. Der Naturschutzbund NABU Baden-Württemberg erklärt, wann sich das Füttern lohnt, welches Futter geeignet ist und wo der Spender hängen sollte. Ein Punkt dürfte manche überraschen: Dem Artenschutz hilft das Futterhaus nach Einschätzung des Verbands kaum.

Kohl- und Blaumeisen, Amseln, Buchfinken, Rotkehlchen und Spechte: In naturnahen Gärten ist im Herbst viel los. Die Vögel suchen im Gras, in Büschen und Bäumen nach Nahrung und schauen auch an Futterstellen vorbei. Viele Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer fragen sich, ob sie jetzt schon füttern sollten – und wenn ja, womit.

Antworten gibt Stefan Bosch, Ornithologe und Fachbeauftragter für Vogelschutz beim NABU Baden-Württemberg.

Wann die Futterstelle öffnen sollte

Klassisch ist die Futterstelle nach Angaben des NABU etwa von November bis Ende Februar geöffnet. Am sinnvollsten sei das Füttern, wenn es richtig kalt ist und Frost oder Schnee die Nahrungssuche in der Natur erschweren. Auch wenn Felder abgeerntet und Wiesen gemäht sind, finden Vögel draußen weniger. Am Futtersilo sparen sie dann Energie.

„Nach einem Kälteanbruch kommen oftmals verstärkt Vögel ans Futterhaus und es lassen sich die ersten Wintergäste aus dem Norden, wie Erlenzeisig und Bergfink, dort beobachten“, sagt Bosch.

Kein Beitrag zum Artenschutz

Der NABU-Experte ordnet das Füttern nüchtern ein. Es sei eine schöne Freizeitbeschäftigung und ein Naturerlebnis direkt vor dem Fenster oder auf dem Balkon, das auch Kinder begeistere. „Wer füttert, trägt allerdings nicht zum Arten- oder Naturschutz bei“, so Bosch.

Nach seinen Angaben nutzen nur etwa zehn bis 15 häufige Vogelarten das Angebot am Futterhaus, vor allem Körnerfresser. Gefährdete Arten seien in der Regel nicht darunter.

Wer einmal anfängt, sollte regelmäßig nachfüllen. Die Vögel fliegen laut Bosch dorthin, wo sie das beste Futter finden.

Sonnenblumenkerne ja, Brot nein

Als Basisfutter empfiehlt der NABU Sonnenblumenkerne, mit oder ohne Schale. Körnerfresser wie Finken, Sperlinge und Meisen nehmen auch Mischungen aus verschiedenen Körnern und Samen. Amseln und Rotkehlchen bevorzugen Weiches: Äpfel, Rosinen, Haferflocken oder spezielle Weichfuttermischungen.

Meisenknödel aus Samen und Fett sollten nach Rat des Verbands in einem eigenen Knödelspender hängen statt im Plastiknetz. Speisereste und Brot gehören nicht ins Futterhaus. Das Futter sollte trocken und frisch sein.

Wer Vogelfutter im Bau- oder Gartenmarkt statt im Fachhandel kauft, sollte laut NABU auf Empfehlungen von Naturschutzverbänden achten und möglichst regionale Bio-Ware wählen. Der Verband begründet das damit, dass naturverträgliche Landwirtschaft Lebensräume gefährdeter Feldvögel schützt. Wichtig außerdem: Die Körner dürfen keine Samen der Ambrosia enthalten. Die Pflanze kann Allergien auslösen.

Silo statt offenes Futterhäuschen

Hygienischer sind nach Einschätzung des NABU Futtersilos. Sie lassen sich leicht reinigen und auffüllen, das Futter ist darin besser vor Kot, Wind und Wetter geschützt als im offenen Häuschen.

Der Spender sollte für Katzen unerreichbar hängen, in der Nähe von Bäumen oder Büschen, in die sich die Vögel zurückziehen können. Ideal ist ein wettergeschützter Platz unter einem Dach – mit genug Abstand zu Fensterscheiben, damit die Tiere nicht dagegen fliegen. Wer den Standort ab und zu wechselt, verhindert, dass sich darunter Schmutz sammelt.

Ein klassisches Vogelhäuschen mit Futterbrett braucht mehr Pflege: Es muss täglich ausgefegt und alle ein bis zwei Wochen mit heißem Wasser und einer Bürste gereinigt werden. So können sich Krankheitserreger kaum unter den Vögeln ausbreiten.

Was Gartenvögeln mehr bringt als jedes Futtersilo

Für eine artenreiche Vogelwelt setzt der NABU vor allem auf natürliche Nahrung: Brachflächen in der Feldflur, naturnahe Grünflächen und Gärten sowie artenreiche Mischwälder. Dort leben Raupen, Würmer, Schmetterlinge und Käfer – und davon werden auch Vögel satt. „Das beste Futtersilo kann da nicht mithalten“, sagt Bosch.

Im eigenen Garten lässt sich dafür einiges tun. Der NABU rät, regionale Sträucher zu pflanzen, die im Winter Früchte tragen, eine Wiese wachsen zu lassen und samentragende Stauden wie die Wilde Karde über den Winter stehen zu lassen. Das Laub sollte auf Beeten und unter Sträuchern liegen bleiben. Dort suchen Vögel selbst nach Futter – und auch viele andere Wildtiere profitieren davon.

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