Die hGears Schramberg GmbH ist zahlungsunfähig. Die Geschäftsführung des Zahnradherstellers hat am Montag beim Amtsgericht Rottweil einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Der Betrieb soll nach Angaben des Unternehmens zunächst weiterlaufen. Betroffen ist ausschließlich die Schramberger Gesellschaft – nicht die börsennotierte Muttergesellschaft hGears AG.
Der Schramberger Getriebe- und Zahnradhersteller hGears steht vor einem Insolvenzverfahren. Wie die börsennotierte Muttergesellschaft hGears AG am Montagnachmittag in einer Pflichtmitteilung an den Kapitalmarkt bekannt gab, hat die Geschäftsführung der Tochtergesellschaft hGears Schramberg GmbH beim Amtsgericht Rottweil die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt.
Als Grund nennt das Unternehmen den Eintritt der Zahlungsunfähigkeit. Ursache seien zu geringe Produktionsvolumina und eine Kostenbasis, die für das aktuelle Geschäftsvolumen zu hoch sei.
Betrieb soll weitergeführt werden
Das Verfahren betrifft nach Darstellung der hGears AG ausschließlich den Standort Schramberg. Die Muttergesellschaft und die übrigen Gesellschaften der Gruppe seien „derzeit nicht betroffen“. Ziel sei es, die Restrukturierung des Standorts „in einem geordneten rechtlichen Rahmen“ voranzutreiben. Geplant sei, den Geschäftsbetrieb nach Einreichung des Antrags fortzuführen.
Zur Zahl der betroffenen Beschäftigten macht das Unternehmen in der Mitteilung keine Angaben. Auch zu Auftragslage, Kundenbeziehungen und dem weiteren Zeitplan äußert sich die hGears AG nicht.
Was Eigenverwaltung bedeutet
Bei einer Eigenverwaltung bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt und führt das Unternehmen weiter – anders als im Regelinsolvenzverfahren, in dem ein Insolvenzverwalter die Leitung übernimmt. Kontrolliert wird die Geschäftsführung von einem gerichtlich bestellten Sachwalter. Das Verfahren ist als Sanierungsinstrument gedacht: Es soll Unternehmen die Möglichkeit geben, sich unter Insolvenzschutz neu aufzustellen, statt zerschlagen zu werden.
Ob das Amtsgericht Rottweil dem Antrag stattgibt und wen es als Sachwalter einsetzt, war am Montag noch offen. Löhne und Gehälter werden in solchen Verfahren in der Regel für bis zu drei Monate über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert.
Folgen für die Muttergesellschaft offen
Zwischen der hGears Schramberg GmbH und der hGears AG besteht ein Beherrschungsvertrag. Daraus können sich laut Mitteilung „grundsätzlich finanzielle Auswirkungen“ für die Muttergesellschaft ergeben – Art und Umfang hingen vom weiteren Verlauf des Verfahrens ab. Die hGears AG prüfe derzeit die Folgen für ihre Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.
Ein solcher Vertrag verpflichtet die Muttergesellschaft üblicherweise dazu, Verluste der beherrschten Tochter auszugleichen. Wie sich das im Insolvenzfall konkret auswirkt, ließ die hGears AG offen.
Hintergrund
hGears stellt in Schramberg hochpräzise Zahnräder und Getriebekomponenten her – unter anderem für Antriebe von E-Bikes und für Elektrofahrzeuge. Die Gruppe unterhält neben Schramberg Standorte in Italien und in China. Die hGears AG ist an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert und daher verpflichtet, kursrelevante Informationen unverzüglich zu veröffentlichen – die Insolvenzmeldung erfolgte als Insiderinformation nach Artikel 17 der EU-Marktmissbrauchsverordnung.
Der Markt für E-Bike-Antriebe war nach dem Boom der Corona-Jahre stark unter Druck geraten: Überbestände im Handel führten seit 2023 branchenweit zu Auftragseinbrüchen bei Zulieferern.
Über weitere Entwicklungen werde man den Kapitalmarkt informieren, teilte die hGears AG mit.
