181 Menschen arbeiten derzeit am Schramberger Standort der hGears Schramberg GmbH, die am Montag Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hat. Ein Sanierungsplan wird gerade erst erarbeitet. Konkrete Entscheidungen gebe es noch nicht, sagt Christian Weiz von der Muttergesellschaft hGears AG im Gespräch mit der NRWZ – aber: „Wenn man versucht, die Kostenstruktur anzupassen, sind Kündigungen nicht auszuschließen“.
Nach dem Insolvenzantrag der hGears Schramberg GmbH gibt es erste Zahlen. „In Schramberg haben wir im Moment 181 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagte Christian Weiz, Head of Investor Relations der börsennotierten Muttergesellschaft hGears AG, auf Anfrage der NRWZ.
Wie es für diese 181 Menschen weitergeht, ist offen. „Geplant ist im Moment gar nichts“, so Weiz. „Im Moment wird ein Sanierungsplan ausgearbeitet. Wen und wie stark das die Belegschaft treffen wird, kann man Stand heute nicht sagen.“
Einen Punkt formuliert er allerdings deutlich: „Klar ist aber auch: Wenn man versucht, die Kostenstruktur anzupassen, sind Kündigungen nicht auszuschließen.“
Genau darum geht es in dem Verfahren. Die hGears AG hatte als Grund für die Zahlungsunfähigkeit zu geringe Produktionsvolumina bei einer für das aktuelle Geschäftsvolumen zu hohen Kostenbasis genannt. Um das Unternehmen überlebensfähig aufzustellen, sind Kostenmaßnahmen unumgänglich.
Produktion läuft weiter
Am laufenden Betrieb ändert sich vorerst nichts. „Die Produktion ist uneingeschränkt lieferfähig und liefert“, sagte Weiz. Der Geschäftsbetrieb soll während des Verfahrens fortgeführt werden.
Der Antrag liegt beim Amtsgericht
„Wir haben gestern den Antrag auf Eigenverwaltung gestellt“, sagte Weiz am Dienstag. Heute Morgen bestätigte das Amtsgericht Rottweil die Insolvenz in Eigenverwaltung, ergänzte er.
Bei einer Eigenverwaltung bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt und wird von einem gerichtlich bestellten Sachwalter kontrolliert. Das Verfahren ist als Sanierungsinstrument gedacht.
Aufgrund rechtlicher Vorschriften erst die Börse, dann die Kantine Belegschaft
Zuerst ging die Meldung an den Kapitalmarkt, erst danach erfuhr die Belegschaft davon. Das habe rechtliche Gründe, erklärt Weiz. „Die Insolvenz ist kursrelevant für die Aktien der AG. Deshalb mussten wir zunächst die Meldung an die Behörden, Börsen, die BaFin herausgegeben.“ Anders dürfe ein börsennotiertes Unternehmen gar nicht vorgehen.
Direkt im Anschluss sei die Belegschaft informiert worden: „Wir haben in der Kantine alle Leute zusammengerufen, und der CEO hat die Nachricht bekanntgegeben.“
Die Stimmung dort beschreibt Weiz als gedrückt.
Gewerkschaft außen vor
Die IG Metall Freudenstadt, für Schramberg zuständig, kann zu dem Verfahren nichts sagen. Sie sei vom Betriebsrat des Unternehmens über den Insolvenzantrag nicht informiert worden, teilte die 1. Bevollmächtigte Dorothee Diehm auf Anfrage mit. Die Gewerkschaft habe „vor vielen Jahren“ die Wahl eines Betriebsrats unterstützt; dieser habe über die Jahre „keinen engen Kontakt“ gesucht. Ohne Bezug zur betrieblichen Situation könne man keine Fragen beantworten.
Rechtlich ist das nicht zu beanstanden – ein Betriebsrat ist unabhängig und muss keine Gewerkschaft einbinden. In der Praxis bedeutet es aber, dass den Beschäftigten in einem Sanierungsverfahren zunächst überbetriebliche Erfahrung mit Sozialplänen und Transfergesellschaften fehlt.
Hintergrund
hGears fertigt in Schramberg hochpräzise Zahnräder und Getriebekomponenten, unter anderem für E-Bike-Antriebe und Elektrofahrzeuge. Das Insolvenzverfahren betrifft nach Angaben der hGears AG ausschließlich die Schramberger Gesellschaft, nicht die Muttergesellschaft und die übrigen Konzerngesellschaften. Zwischen beiden besteht ein Beherrschungsvertrag; welche finanziellen Folgen sich daraus für die AG ergeben, prüft diese noch.
