Rottweil. Rund viereinhalb Monate nach der Übernahme durch Würth Elektronik ICS hat die Rottweiler Stadtspitze den Elektronikhersteller MRS Electronic besucht. Vertreter beider Unternehmen sagten bei dem Termin zu, den Hauptsitz in Rottweil zu erhalten und die Zahl der Arbeitsplätze auszubauen. Konkrete Zahlen zu Investitionen oder neuen Stellen nennt das Unternehmen in seiner Mitteilung nicht.
Am Rottweiler Hauptsitz empfing die Firmenspitze Oberbürgermeister Christian Ruf, Bürgermeisterin Ines Gaehn und den Leiter der Wirtschaftsförderung, Alexander Stengelin. Anlass war der erste offizielle Austausch nach dem Eigentümerwechsel.
Übernahme im März bekannt gegeben
Würth Elektronik ICS und MRS Electronic hatten die Übernahme am 24. März 2026 öffentlich gemacht. Zum Kaufpreis machten beide Seiten damals keine Angaben. Die Unternehmen arbeiten nach eigenen Angaben seit mehr als 15 Jahren zusammen; mit dem Kauf will Würth die Kompetenzen im Bereich Fahrzeugelektronik bündeln.
MRS Electronic soll als eigenständiges Unternehmen innerhalb der Gruppe weitergeführt werden – mit eigener Technologie und eigener Marktposition. Das bekräftigten die Beteiligten bei dem Besuch erneut.
250 der 285 Beschäftigten arbeiten in Rottweil
Für die Stadt geht es um eine der größeren Industrieadressen: Von weltweit rund 285 Beschäftigten arbeiten etwa 250 in Rottweil. Das Unternehmen entwickelt und fertigt seit über 25 Jahren Elektronik für die Fahrzeugindustrie, darunter Relais, Gateways, Steuerungen und Displays. Standorte gibt es zudem in Kroatien, Polen, Skandinavien und der Türkei.
Oberbürgermeister Ruf machte laut Mitteilung deutlich, dass der Erhalt und der Ausbau der Arbeitsplätze für die Stadt gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von großer Bedeutung seien. Er würdigte die unternehmerische Leistung von Firmengründer Günther Dörgeloh.
Dörgeloh selbst verwies auf die lange Geschäftsbeziehung zu Würth: „Für mich war es wichtig, mein Lebenswerk in gute Hände zu übergeben und damit eine starke Grundlage für die Zukunft zu schaffen”, wird er in der Mitteilung zitiert.
Was die Unternehmensvertreter sagen
Jörg Murawski, Geschäftsbereichsleiter der Würth-Gruppe, stellte die Gruppe und ihre Unternehmenskultur vor. Zur Belegschaft in Rottweil sagte er: „Das Wesentliche für uns sind nicht die Maschinen, sondern die Menschen, die hier arbeiten.” Karl-Heinz Groß, Geschäftsführer der Würth Elektronik ICS, ergänzte, man wolle gemeinsam mit den Mitarbeitenden wachsen.
MRS-Geschäftsführer Albrecht Faber verwies darauf, dass Technik des Unternehmens auch in Kommunalfahrzeugen in Rottweil im Einsatz sei. Ziel sei es, den Hauptsitz zu stärken, Arbeitsplätze zu sichern und neue Fachkräfte zu gewinnen.
Auch die Landesgartenschau war Thema
Neben der Zukunft des Unternehmens ging es bei dem Termin um die Stadtentwicklung. Ruf, Gaehn und Stengelin informierten über die Planungen zur Landesgartenschau, die Rottweil 2028 ausrichtet. Zum Abschluss führte das Unternehmen die Gäste durch die Produktion.
Einordnung
Standortbekenntnisse nach einer Übernahme sind üblich – belastbar sind sie erst, wenn ihnen Investitionen oder Beschäftigungszusagen folgen. Weder zur Höhe möglicher Investitionen noch zu einer zeitlich befristeten Standortgarantie oder zur Zahl geplanter Neueinstellungen liegen bislang Angaben vor. Auch dazu, ob sich an der Geschäftsführung von MRS Electronic mittelfristig etwas ändert, äußerten sich die Beteiligten nicht.
Grundlage dieses Berichts ist eine Mitteilung von MRS Electronic. Die NRWZ war bei dem Termin nicht dabei.



