Biotonnen-Kontrollen im Nachbarkreis: Was das für Rottweil bedeutet

Tuttlingen prüft ab Mitte August mit Detektionstechnik, der Schwarzwald-Baar-Kreis hat sogar einen Abfalldetektiv. Und Rottweil?

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Der Landkreis Tuttlingen kontrolliert von Mitte August an die Biotonnen seiner Bürgerinnen und Bürger – mit einem elektronischen Detektionssystem im Sammelfahrzeug und zusätzlichen Sichtkontrollen der Müllwerker. Wer Plastik, Windeln oder Steine in der braunen Tonne hat, riskiert, dass sie stehen bleibt. Im Landkreis Rottweil bleibt es dagegen bei Aufklärung statt Kontrolle, während der Schwarzwald-Baar-Kreis seit Jahren einen eigenen „Abfalldetektiv“ beschäftigt.

Die Biotonne rückt in der Region zunehmend in den Blick der Abfallwirtschaft. Der Landkreis Tuttlingen hat angekündigt, ab Mitte August in allen Städten und Gemeinden schrittweise zu prüfen, was tatsächlich in den braunen Behältern landet. Zum Einsatz kommt ein Sammelfahrzeug des beauftragten Entsorgungsunternehmens, das mit einem elektronischen Detektionssystem ausgestattet ist und Fehlbefüllungen erkennt. Ergänzend schauen die Müllwerker selbst in die Tonnen. Bereits im März 2025 hatte das Landratsamt Tuttlingen Kontrollen der Biotonnen angekündigt.

Wird eine Tonne beanstandet, klebt zunächst ein Hinweisschild daran. Bei wiederholten oder erheblichen Fehlbefüllungen kann die Leerung verweigert werden. Dann müssen die Haushalte selbst nachsortieren – oder den Inhalt kostenpflichtig als Restmüll entsorgen lassen.

Was der Gesetzgeber vorschreibt

Hintergrund der Kontrollen sind verschärfte bundesweite Vorgaben. Seit dem 1. Mai 2025 gilt der neue Paragraf 2a der Bioabfallverordnung. Danach darf angelieferter Bioabfall höchstens drei Prozent Fremdstoffe wie Glas, Metall oder Steine enthalten, davon maximal ein Prozent Kunststoff. Kompostier- und Vergärungsanlagen dürfen zu stark verunreinigte Lieferungen zurückweisen. Für die Landkreise als Entsorgungsträger heißt das: Wer schlechte Qualität anliefert, zahlt am Ende drauf. Eine bundeseinheitliche Pflicht, jede Tonne zu kontrollieren, gibt es allerdings nicht – wie genau geprüft wird, entscheidet jeder Land- und Stadtkreis selbst.

Zu den häufigsten Störstoffen zählen laut Landratsamt Tuttlingen Kunststoffe und Verpackungen, Metalle und Dosen, Hygieneartikel und Windeln, Textilien, behandeltes Holz, Asche sowie Erde, Sand und Steine. Ausdrücklich weist der Landkreis darauf hin, dass auch sogenannte kompostierbare Kunststoffprodukte nichts in der Biotonne verloren haben – vom „Bio“-Müllbeutel bis zur Kaffeekapsel. Sie bauen sich in den Anlagen nicht schnell genug ab und mindern die Qualität des erzeugten Komposts. Im schlimmsten Fall gelangten Mikroplastik und andere Schadstoffe über Gärreste und Kompost in die Umwelt und damit in die Nahrungskette, warnt das Landratsamt.

Rottweil setzt auf Information – und auf Gebühren

Im Landkreis Rottweil ist eine vergleichbare Aktion nicht vorgesehen. Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft hatte gegenüber der NRWZ bereits erklärt, derzeit keine Kontrollkampagne zu planen und weiter auf Aufklärung zu setzen: über den Abfallkalender, die App „Abfall+“, die Website und Social Media.

Ganz ohne Konsequenzen bleibt eine falsch befüllte Biotonne aber auch hier nicht. Nach der geltenden Abfallwirtschaftssatzung kostet die Sonderleerung eines verunreinigten Biobehälters, der dann als Restmüll behandelt wird, 35 Euro je Gefäß und Leerung. Und wer sich von der Biotonne befreien lässt, weil er selbst kompostiert, muss das im Zweifel belegen können. Kontrollen dazu finden nach Angaben des Landratsamts statt.

Schwarzwald-Baar-Kreis prüft seit 2017

Deutlich weiter ist der benachbarte Schwarzwald-Baar-Kreis. Dort gibt es seit 2017 eine eigene halbe Stelle für einen „Abfalldetektiv“, der Biotonnen stichprobenartig per Sichtkontrolle und Detektionsgerät prüft. Bei Verstößen gibt es zunächst eine gelbe Karte, im Wiederholungsfall eine rote – dann bleibt die Tonne stehen. Auch die rund 30.000 Haushalte, die von der Biotonne befreit sind, werden jährlich etwa 300 Mal überprüft, meist angemeldet.

Seit dem 1. Januar 2026 ist dieses Vorgehen in der neuen Abfallwirtschaftssatzung des Kreises festgeschrieben: Schlägt die technische Detektion an, wird die Tonne nicht geleert. Bei einer Sichtkontrolle gibt es beim ersten Verstoß noch eine Leerung mit Hinweis, danach bleibt der Behälter stehen. Eine Nachprüfung ist gegen Gebühr möglich.

Auch in anderen Teilen Baden-Württembergs ist die Bandbreite groß. Während der Bodenseekreis seine Kontrollen ausweitet und über Sensorik in Müllfahrzeugen nachdenkt, verzichten Ravensburg, Sigmaringen und Biberach nach SWR-Recherchen ganz darauf, weil ihre Störstoffwerte ohnehin niedrig liegen. In Schwäbisch Hall und im Hohenlohekreis drohen bei hartnäckigen Verstößen Bußgelder von bis zu 2500 Euro. Für Rottweil bleibt es vorerst beim sanften Weg – solange die Qualität des angelieferten Bioabfalls stimmt.

Autor / Quelle:NRWZ-Redaktion
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