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Deißlingen wird autark – harsche Kritik an Wirtschaftsministerin

Große PV-Anlage kommt auf rekultivierte Gipsgruben

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Vorstand und Aufsichtsrat der BED v.l.: Florian Schumpp, Dietmar Maurer, Robert Mauerlechner, Thomas Zöphel, Hubert Holl, Rudolf Hettich, Harald Bucher und Paul Hengstler. Foto: Moni Marcel

Die Bürgerenergiegenossenschaft Deißlingen (BED) plant auf den rekultivierten Gipsabbau-Flächen der Firma Knauf eine riesige PV-Anlage. 32.533 Module, sollen hier im Gewann Primholz über 200 Megawatt Leitung erzeugen, dazu könnten mehrere in Schiffscontainern untergebrachte Batteriespeicher kommen. Mit diesem zu 41 Prozent durch die Bürger der Gemeinde finanzierten Großprojekt wird dann voraussichtlich ab Ende 2028 oder Anfang 2029 mehr Strom erzeugt, als die Gemeinde samt ihrer Industrie verbraucht.

Deißlingen – Vor allem der Gipskartonhersteller Knauf ist an der direkten Abnahme interessiert, wie Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Ralf Ulbrich bei der Mitgliederversammlung der Genossenschaft berichtete. Doch wie das funktionieren kann, das steht noch in den Sternen – die Pläne der Bundesregierung, wie es mit Einspeisevergütung, und Netzentgelten weitergehen soll, kennt keiner. Auch nicht die Planer der Firma WPD, die die Anlage baut und 49 Prozent der Kosten trägt – die restlichen zehn Prozent übernimmt die Gemeinde Deißlingen. Dennoch sei man froh über den kompetenten Partner, so Ulbrich, einen, „der das Gras wachsen hört.“ Vermutlich auch das in Berlin, zumindest ist das zu hoffen. Denn neben den vielen Ungewissheiten ist jetzt schon die Bürokratie ein großes Hemmnis. „Das sind unglaublich bürokratische und furchtbar komplizierte Prozesse, die Netzbetreiber ächzen unter der Aufgabe.“

Auch deshalb kann derzeit keiner sagen, ob es möglich sein wird, die Firma Knauf, etwa anderthalb Kilometer weg von der Anlage, direkt mit Strom zu versorgen, was für die Betreiber eine sichere Einnahmequelle mit fixen Stromtarifen bedeuten würde. Technisch möglich wäre es jedenfalls. „Eine Rechnung mit 20 Unbekannten“, so der Bürgermeister. Man könne doch Ministerin Reiche zur nächsten Mitgliederversammlung der BED einladen, so der Vorschlag aus der Reihe der Genossenschaftler. Darauf Ulbrich: „Da bin ich gespannt, wie das Absageschreiben formuliert sein wird!“ Trotz aller Hemmnisse wird die Anlage weiter geplant, die Ausgleichsflächen für Feldlerchen, Äsungsflächen und Wildkorridore sowie ein für Kleintiere durchlässiger Zaun sind schon fix, der Absetzteich und das Feuchtbiotop werden erhalten bleiben, und man ist im Gespräch nicht nur mit den Jägern, sondern auch mit Schäfern, denn es sollen Schafe sein, die unter den Modulen das Gras fressen.

Für die Finanzierung ihres Anteils der Anlage wird die Genossenschaft ihren Mitgliedern zum einen eine Erhöhung der Anteile von bisher 200 Euro auf 25.000 Euro anbieten, zum anderen Nachrangdarlehen, die mit bis zu 3,5 Prozent verzinst werden können. Schon jetzt bekommen die 432 Mitglieder eine jährliche Ausschüttung von drei Prozent. Der Jahresgewinn 2025 betrug 24.094,67 Euro, das Geschäftsguthaben liegt bei 595.800 Euro, erwirtschaftet durch die acht PV-Anlagen der BED. Davon sind sieben in Deißlingen und eine auf dem Dach des Berufsschulzentrums in Rottweil, die Jahresleistung liegt bei etwa 240.000 kWh.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung verabschiedete der Aufsichtsrat Thomas Zöphel, der nach vielen Jahren sein Amt abgab, die BED aber weiter mit seinem Fachwissen unterstützen wird. Ihm folgt Robert Mauerlechner.

Autor / Quelle:Pressemitteilung (pm)
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