Die Sperrung der L108 zwischen Schramberg und Lauterbach trifft nicht nur Pendler. Auch der Rettungsdienst muss umdisponieren: Wer in Lauterbach den Notruf wählt, bekommt derzeit in der Regel einen Rettungswagen aus Hornberg oder Schiltach geschickt. Der Notarzt kommt tagsüber oft aus der Luft. Nachts kann es länger dauern. Das teilt der DRK-Kreisverband Rottweil mit.
Die gesperrte Landesstraße ist die direkte Verbindung zwischen der Rettungswache Schramberg und der Gemeinde Lauterbach. Fällt sie weg, wird aus einer kurzen Anfahrt eine lange. Ausweichstrecken seien „nicht oder nur mit erheblichem Aufwand befahrbar“, teilt Marcus Stotz mit, Leiter Rettungsdienst beim DRK-Kreisverband Rottweil. Die Anfahrtszeit von Schramberg aus würde sich dadurch „unverhältnismäßig verlängern“.
Rettungswagen aus dem Nachbarkreis
Die Integrierte Leitstelle Rottweil schickt bei einem Notruf grundsätzlich das nächstgeeignete Rettungsmittel – unabhängig davon, wo dessen Wache steht. Weil Schramberg diese Rolle für Lauterbach derzeit nicht mehr ausfüllt, rücken nach Angaben des DRK aktuell vorrangig die Rettungswagen aus Hornberg beziehungsweise Schiltach aus. Je nachdem, welches Fahrzeug gerade frei ist. Hornberg liegt bereits im Ortenaukreis – die Kreisgrenze spielt bei der Alarmierung keine Rolle.
Der Notarzt kommt aus der Luft
Für die notärztliche Versorgung setzt der Rettungsdienst tagsüber auf zwei Hubschrauber: Christoph 11 aus Villingen-Schwenningen und Christoph Ortenau aus Lahr. Auch das hängt von der Verfügbarkeit ab. Der Notarzt am Standort Schramberg bleibt daneben im Dienst.
Nachts ist die Luftrettung nicht ausgeschlossen: Christoph 11 fliegt rund um die Uhr. Bis die Maschine in der Luft ist, dauert es im Dunkeln allerdings länger: Nach Angaben von Rettungsdienstleiter Marcus Stotz vergehen nachts fünf bis zehn Minuten, tagsüber sind es rund zwei. Hinzu kommen höhere Sicherheitsanforderungen an den Landeplatz. Unter dem Strich, räumt das DRK ein, ergeben sich in den Nachtstunden längere Anfahrtszeiten.
Helfer vor Ort sollen die Lücke füllen
Um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens zu überbrücken – Fachleute sprechen vom therapiefreien Intervall –, alarmiert die Leitstelle zusätzlich die First Responder des DRK-Ortsvereins Lauterbach. Diese Helfer vor Ort sind ehrenamtlich unterwegs, wohnen im Ort und können deutlich schneller am Einsatzort sein.
Hinzu kommen die Ersthelfer der „Region der Lebensretter“. Das System alarmiert per App medizinisch qualifizierte Freiwillige, die sich zufällig in der Nähe eines Notfalls aufhalten – etwa bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand, bei dem jede Minute zählt.
Sperrung der Straße
Gesperrt ist die L 108 seit dem Waldbrand vom 16. und 17. August. Feuer und Löscharbeiten haben Fels und Geröll am Steilhang oberhalb der Fahrbahn gelockert, außerdem sind einzelne Bäume so stark geschädigt, dass sie umzustürzen drohen. Solange die Steinschlaggefahr besteht, lässt sich der Verkehr dort nicht sicher vorbeiführen – deshalb bleibt die Vollsperrung bestehen, teilt die Stadt Schramberg mit.
Am 25. August hat sich die vom Regierungspräsidium Freiburg beauftragte Firma Sachtleben Mining Services die Stelle vor Ort angesehen und das weitere Vorgehen abgestimmt. Große lose Felsblöcke sollen gesichert oder gezielt abgelegt werden, damit sie nicht abrutschen können. Je nach Befund kommt ein Schutzzaun oder eine Prallschutzwand dazu. Die brandgeschädigten Bäume werden einzeln geprüft.
Einen Termin für die Freigabe nennt bislang niemand. Die Sperrdauer sei „momentan nicht absehbar“, heißt es offiziell, die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer habe Vorrang. Das Straßenbauamt hatte bereits am 20. August erklärt, mit einer Öffnung sei nicht mehr in derselben Woche zu rechnen – damals war die Sicherungsplanung noch gar nicht angelaufen. Realistisch dürften noch einige Wochen vergehen: Die Arbeiten am Hang müssen erst geplant, beauftragt und ausgeführt werden. Und wenn die Straße wieder aufgeht, dann womöglich zunächst nur einspurig mit Ampel an der Gefahrenstelle.
