Es gibt Baustellen, die entschuldigen sich. Es gibt Baustellen, die schweigen. Und es gibt die Baustelle in der Alten Herdstraße in VS-Schwenningen, die einen freundlich anschnauzt.
„BAUSCHDELL“ steht da, in Großbuchstaben, unter dem üblichen Männchen mit Schaufel und Sandhaufen auf dem dreiseitigen Aufsteller. Rechts daneben: „Do wird Gschafft“. Links: „Uffbasse“. Daneben eine Warnleuchte auf einer Pylone, und ringsum das, was Markierungsarbeiten eben so brauchen – ein Stück Bordstein, ein Haufen Herbstlaub, ein bisschen abgesperrter Asphalt.
Man muss kein Sprachwissenschaftler sein, um zu merken: Hier hat jemand Spaß gehabt. Man sollte aber auch keiner sein, wenn man das Schild ernst nimmt. Denn „gschafft“ ist lupenreines Schwäbisch, die Kurzfassung des Landesmottos „Schaffe, schaffe, Häusle baue“. „Uffbasse“ dagegen klingt eher nach Kurpfalz oder Nordbaden als nach Baar. Wer also auf dialektale Reinheit hofft, wird enttäuscht.
Und genau das macht es passend. Villingen-Schwenningen ist die Stadt, in der 1972 das badische Villingen und das württembergische Schwenningen zwangsvermählt wurden – gegen den Willen erheblicher Teile beider Bevölkerungen. Wenn irgendwo in diesem Bundesland ein Schild stehen darf, das schwäbisch und badisch in einen Topf wirft, dann hier.
Dahinter steckt vermutlich weniger Sprachpolitik als schlicht die Erkenntnis, dass Mundart funktioniert. Ein Faltsignal mit der Aufschrift „Baustelle“ übersieht man. Eines mit „Bauschdell“ liest man. Und wer liest, bremst.
Baden-Württemberg hat mit dieser Selbstironie ohnehin Erfahrung. Fast drei Jahrzehnte ist es her, dass das Land mit „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ warb – einer der wenigen Werbeslogans, an die sich die Beworbenen bis heute erinnern. Seit 2021 firmiert man offiziell als „The Länd“, was die Kampagne von damals eigentlich nur ins Englische weiterdenkt.
Die Alte Herdstraße hat das alles nicht nötig. Sie sagt einfach: Uffbasse. Do wird gschafft! We like.
