Das Salinenmuseum „Unteres Bohrhaus“ in den Rottweiler Primwiesen ist derzeit Baustelle. Der markante Rundbehälter, in dem einst Sole lagerte, bekommt eine neue Außenhaut aus rund 22.000 Holzschindeln. 530.000 Euro hat der Gemeinderat für die Sanierung bereitgestellt. Das Museum bleibt bis auf Weiteres geschlossen.
Die alten Schindeln des Rundbehälters sind nach vier Jahrzehnten undicht. Wind, Wetter und Insektenfraß haben das Holz zersetzt, zuletzt drang vermehrt Wasser ein. An der Kuppel entstanden nach Angaben der Stadt Rottweil erhebliche Schäden, die auch die Statik des Baus beeinträchtigten.
Die unteren Schindelreihen sind inzwischen abgenommen, dort ist derzeit nur das Holzgerüst zu sehen. „Nach 40 Jahren sind solche Schindeln durch und müssen ersetzt werden“, sagt Zimmerermeister Hubert Nowack, dessen Betrieb die Arbeiten ausführt. Nowack ist auch für den anstehenden Schindeltausch an der historischen Schindelbrücke in der Au im Gespräch.
Zedernholz aus Nordamerika, von Hand aufgenagelt
Die neuen Schindeln bestehen aus nordamerikanischem Zedernholz und sind gespalten statt gesägt. Beides soll die Haltbarkeit erhöhen, erklärt Nowack. Rund 22.000 Stück werden gebraucht, jede einzelne wird mit zwei Nägeln von Hand befestigt.
Anspruchsvoll ist dabei der Versatz: Die Fugen der einzelnen Reihen dürfen nicht übereinanderliegen, damit kein Wasser eindringt, wenn eine Schindel reißt. Der Versatz muss deshalb fortlaufend variiert werden – eine Technik, die heute nur noch wenige Betriebe beherrschen.
Glaskuppel und Bleikranz
Die Glaskuppel des Rundbehälters ist bereits abgenommen und liegt neben dem Gebäude. Sie erhält neue Gläser, auch die Metallkonstruktion wird überarbeitet. Der Ring, auf dem die Kuppel auflag, war durch Schwitzwasser stark beschädigt und wird ersetzt.
Der obere, flach auslaufende Bereich des Behälters gilt als besonders anfällig für eindringendes Wasser. Künftig soll ein Kranz aus Walzblei schützen. Im Innern sichert ein Stützgerüst die Statik und dient zugleich als Arbeitsebene für die Sanierung der Rundbögen. Für das Eindecken des oberen Bereichs wird ein zusätzliches Außengerüst nötig, das wegen der Rundung aus Holz selbst gebaut wird – das spare Kosten, so Nowack.
Museum soll im kommenden Jahr wieder öffnen
Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten dauern. „Wir haben noch einiges vor uns“, sagt Nowack. Anschließend könnte das Museum über den Winter wieder eingerichtet werden und im kommenden Jahr erneut öffnen. Die Sanierung der Holzkonstruktion übernimmt die Firma Ott aus Gammertingen, Planung und Bauüberwachung liegen beim Büro AeDis aus Ebersbach an der Fils.
Für den Förderverein „Salinenmuseum Unteres Bohrhaus“ ist die Schließung auch wirtschaftlich spürbar: An den Wochenenden finden auf dem Gelände sonst Hochzeiten und Familienfeiern statt – eine wichtige Einnahmequelle.
Ein Stück Rottweiler Wirtschaftsgeschichte
Die Saline Wilhelmshall wurde 1969 stillgelegt. Dass das Untere Bohrhaus nicht abgerissen wurde, geht wesentlich auf den früheren Rottweiler Gemeinderat Karl Raible zurück. Er gründete im April 1975 den Solebadverein, der die künftige Nutzung der Sole sichern sollte. Der Verein zählte kurz nach der Gründung 1000 Mitglieder, wie Martina van Spankeren-Gandhi in den Heimatblättern 2019 schreibt.
1976 erwarb der Verein das Untere Bohrhaus und trug nach und nach Relikte der Soleförderung zusammen. Seit 1982 gibt es das Museum, 1983 wurde einer der Solerundbehälter dorthin versetzt. Im selben Jahr kaufte die Stadt Rottweil die Gebäude vom Solebadverein zurück. 1986 folgte als Nachfolgeorganisation der Förderverein Salinenmuseum Rottweil.
Das Salinenmuseum ist nach eigenen Angaben das einzige Museum am oberen Neckar, das die Salzgewinnung in der Region vom Mittelalter bis in die Gegenwart dokumentiert.
Info: Weitere Informationen unter www.salinenmuseum-rottweil.de









