Wenn die Feuerwehr klingelt, ohne dass es brennt: Was hinter dem Stichwort „H1″ steckt

Stadtbrandmeister Frank Müller über Fräsen im Türblatt – und über das, was manchmal dahinter wartet

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Nicht jeder Feuerwehreinsatz beginnt mit Rauch. Unter dem Alarmstichwort „H1 – Hilfeleistung 1″ rücken die Wehren in Stadt und Landkreis Rottweil zu verschlossenen Wohnungstüren und zu Einsätzen aus, bei denen der Rettungsdienst allein nicht weiterkommt. Rottweils Stadtbrandmeister Frank Müller erklärt, warum ausgerechnet diese vermeintlich kleinen Einsätze besondere Technik und dauerhaftes Training verlangen. Und warum sie mit die eindrücklichsten sind.

Es sind die Einsätze, die selten in der Zeitung stehen: eine Tür, die nicht aufgeht. Ein Patient, der aus dem dritten Obergeschoss ins Freie muss. Für beides gibt es bei der Feuerwehr ein eigenes Alarmstichwort – „H1″, technische Hilfeleistung der kleinsten Kategorie. Dahinter steckt weit mehr Aufwand, als der Name vermuten lässt.

Die Hubarbeitsbühne fährt immer mit

Lautet die Alarmierung „Rettungsdienst benötigt Unterstützung”, rückt in Rottweil grundsätzlich die Hubarbeitsbühne aus – unabhängig davon, was die Kräfte vor Ort erwartet. Der Grund ist die Tragfähigkeit: Der Korb ist für 500 Kilogramm ausgelegt und kann damit deutlich größere Lasten aufnehmen. Der Patient liegt dabei sicher unten in der Bühne, statt in einer Trage über ein enges Treppenhaus balanciert zu werden. Unser Video zeigt die ausrückende Hubarbeitsbühne der Rottweiler Feuerwehr bei einem dieser Einsätze (Quelle: Blaulichtreport Rottweil).

Die Zahlen zeigen, dass diese Einsatzart zunimmt. 2025 unterstützte die Rottweiler Feuerwehr den Rettungsdienst 18-mal, acht Einsätze davon im Stadtgebiet, zehn als Überlandhilfe in den Nachbarkommunen. In diesem Jahr sind es bereits zehn Einsätze, fünf davon in Rottweil – ein Wert, der die Vorjahresbilanz zur Jahresmitte schon zur Hälfte erreicht hat.

Abgearbeitet werden diese Alarme über eine der sechs sogenannten Kleinschleifen, kleine, fest definierte Alarmgruppen innerhalb der Gesamtwehr. Tagsüber ist es immer dieselbe Schleife, nachts wechseln sich fünf Gruppen ab. Zwei Maschinisten müssen dabei stets an Bord sein. „Das sind echte Routineeinsätze”, sagt Müller.

Türöffnungen: 16 Leute, alle zwei Jahre neu geschult

Anders sieht es bei der zweiten großen Gruppe der H1-Einsätze aus: den Türöffnungen. 34-mal war die Rottweiler Wehr 2025 gefordert, 19-mal bereits in diesem Jahr. Hier rückt ausschließlich die Kleinschleife Tag aus – 16 Personen, die Müller regelmäßig auf den neuesten Stand bringen muss. „Muss ich mindestens alle zwei Jahre schulen”, sagt der Stadtbrandmeister. Die Schließtechniken änderten sich oft und schnell.

„Türöffnungen werden in der Gesamtfeuerwehr von der Klein Tag abgedeckt, die sind fit im Thema, im Auffräsen”, erklärt Müller. Dass immer dieselben Kräfte alarmiert werden, hat auch praktische Gründe: „Die Klein Tag ist sehr zuverlässig, die Hälfte kommt.” Standardfahrzeug ist das Löschfahrzeug: „Da haben wir eine Leiter dabei” – manchmal ist der Weg übers Fenster der schnellere.

“Das war eine Traumtüröffnung”

Routine wird daraus trotzdem nie. „Jeder Einsatz ist anders”, sagt Müller. Schon die Ausgangslage unterscheide sich jedes Mal: der Zugang zur Wohnung, die Lage im Gebäude, die Frage, wie dringend es ist. Und Türen hielten jederzeit Überraschungen bereit, auch ganz kuriose.

Manchmal genügt der Metallspachtel aus dem Kommandowagen, und die Sache ist in Sekunden erledigt – „das war eine Traumtüröffnung”, erinnert sich Müller an einen solchen Fall. Manchmal wird es dagegen schweißtreibende Arbeit, bis das Schloss nachgibt.

Was hinter manchen Türen wartet

Es sind aber gerade diese vermeintlich kleinen Einsätze, die die Einsatzkräfte stark belasten können. Etwa dann, wenn eine Tür geöffnet werden muss, weil der Bewohner oder die Bewohnerin dahinter längere Zeit nicht mehr gesehen wurde. Weil der Briefkasten überquillt. Weil schon ein unangenehmer Geruch in der Luft liegt. Nicht selten wartet hinter solchen Türen das Schlimmste.

Und dann sind da die Fälle, mit denen kaum jemand rechnet: „Man glaubt nicht, wie oft das in Rottweil vorkommt”, sagen Einsatzkräfte über Messie-Wohnungen. Vermüllte, kaum betretbare Räume, teils gesundheitsgefährdend für die Kräfte selbst. Dahinter stehen Einzelschicksale, die sich in die Erinnerung der Feuerwehrleute brennen.

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