Rottweil/Villingen-Schwenningen. Im Kreis Rottweil waren im Juli 2.751 Menschen arbeitslos gemeldet โ 56 mehr als im Juni. Der Anstieg ist saisonal รผblich. Deutlicher fรคllt eine andere Entwicklung aus: Betriebe im Agenturbezirk haben rund 13 Prozent weniger Ausbildungsstellen gemeldet als vor einem Jahr. 844 Bewerberinnen und Bewerber haben bislang weder einen Ausbildungsplatz noch eine Alternative gefunden.
Die Arbeitslosenquote im Kreis Rottweil stieg im Juli um ein Zehntel auf 3,4 Prozent. Sie liegt damit weiter deutlich unter dem Wert des gesamten Agenturbezirks Rottweil โ Villingen-Schwenningen, zu dem neben dem Kreis Rottweil auch der Schwarzwald-Baar-Kreis und der Kreis Tuttlingen gehรถren.
Im gesamten Bezirk waren im Juli 13.514 Personen arbeitslos gemeldet, 185 mehr als im Vormonat (plus 1,4 Prozent) und 264 mehr als vor einem Jahr (plus 2 Prozent). Die Quote kletterte auf 4,7 Prozent.
Sommerliche Zunahme โ mit einer Ausnahme
Steigende Zahlen im Juli sind kein ungewรถhnliches Signal. Kรผndigungen zum Quartalsende, auslaufende befristete Vertrรคge und Jugendliche, die zwischen Schule und Ausbildungs- oder Studienbeginn kurzzeitig als arbeitslos gefรผhrt werden, treiben den Wert in jedem Sommer nach oben. Nach Angaben der Arbeitsagentur fรคllt der Anstieg in diesem Jahr geringer aus als in den Vorjahren.
Auffรคllig ist die Entwicklung in den beiden Rechtskreisen. In der Grundsicherung (SGB II), fรผr die die Jobcenter zustรคndig sind, sank die Zahl der Arbeitslosen um 148 gegenรผber Juni und um 266 gegenรผber dem Vorjahr. In der Arbeitslosenversicherung (SGB III), die stรคrker auf konjunkturelle Ausschlรคge reagiert, stieg sie dagegen um 333 zum Vormonat und um 530 zum Vorjahr. Die Agentur fรผhrt das auf die angespannte Wirtschaftslage zurรผck. Im Juli betreute die Arbeitsagentur 6.941 Arbeitslose, die Jobcenter 6.573.
524 Ausbildungsstellen weniger
Den stรคrksten Ausschlag zeigt der Ausbildungsmarkt. Bis Juli meldeten Betriebe im Bezirk 524 Ausbildungsstellen weniger als im Vorjahreszeitraum โ ein Minus von rund 13 Prozent. Am deutlichsten fiel der Rรผckgang im Verarbeitenden Gewerbe aus (minus 147 Stellen), gefolgt vom Handel (minus 146) sowie Verkehr und Logistik (minus 141) โ also in Branchen, die die Wirtschaftsstruktur der Region prรคgen.
Gleichzeitig ist die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber gestiegen: 2.502 junge Menschen meldeten sich fรผr die Ausbildungsvermittlung, 106 oder 4,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Am hรคufigsten nachgefragt wurden die Berufe Industriekaufmann/-frau, Kfz-Mechatroniker/-in und Medizinische/r Fachangestellte/r. 844 von ihnen hatten Ende Juli noch keinen Ausbildungsplatz und auch keine Alternative.
โAusbildung ist eine Investition fรผr die Zukunft, denn sie sichert unserer Region die Fachkrรคfte von morgenโ, sagte Sylvia Scholz, Vorsitzende der Geschรคftsfรผhrung der Agentur fรผr Arbeit Rottweil โ Villingen-Schwenningen. Betriebe kรถnnten auch schwรคchere Bewerber auf eine Ausbildung vorbereiten und dabei Unterstรผtzung wie soziale Begleitung oder Fรถrderunterricht in Anspruch nehmen. Fรผr offene Plรคtze hatte die Agentur zuletzt eine Last-Minute-Bรถrse organisiert.
Zu beachten ist: Erfasst wird nur, was Betriebe der Arbeitsagentur melden. Ausbildungsplรคtze, die Unternehmen ausschlieรlich selbst ausschreiben, tauchen in der Statistik nicht auf.
Mehr offene Stellen als im Juni
Der Stellenmarkt entwickelte sich gegenlรคufig zum Trend: 3.480 offene Arbeitsstellen waren im Juli gemeldet, 138 mehr als im Juni (plus 4,1 Prozent). รblicherweise gehen die Stellenmeldungen im Sommer zurรผck. Die Agentur fรผhrt das Plus auf eine verstรคrkte Ansprache von Unternehmen durch ihren Arbeitgeber-Service zurรผck. Gesucht werden vor allem Fachkrรคfte fรผr Metallverarbeitung, Maschinenbau- und Betriebstechnik, im Verkauf sowie in Erziehung, Sozialarbeit und Heilerziehungspflege.
Kurzarbeit auf halbem Vorjahresniveau
Die Zahlen zur Kurzarbeit liegen wegen der Abrechnungsfristen nur mit mehreren Monaten Verzรถgerung vor. Im Mรคrz 2026 waren nach vorlรคufigen hochgerechneten Daten 4.729 Beschรคftigte in 168 Betrieben in Kurzarbeit โ etwas mehr als im Februar (4.433 Personen in 170 Betrieben), aber nur rund halb so viele wie ein Jahr zuvor (Mรคrz 2025: 8.610 Personen). Die Kurzarbeiterquote lag bei 2,2 Prozent. Im Juli zeigten 21 Unternehmen Kurzarbeit fรผr 251 Beschรคftigte neu an.
Landesweit steigt vor allem die Jugendarbeitslosigkeit
In Baden-Wรผrttemberg lag die Arbeitslosenquote im Juli bei 4,6 Prozent und damit auf dem Niveau des Vormonats. 300.348 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 4.290 mehr als im Juni. Vor einem Jahr waren es 7.085 weniger bei einer Quote von 4,5 Prozent.
Besonders deutlich stieg die Zahl arbeitsloser Jugendlicher unter 25 Jahren: auf 27.017, ein Plus von 8,9 Prozent gegenรผber Juni und von 6,1 Prozent gegenรผber dem Vorjahr. Die Jugendarbeitslosenquote liegt bei 3,9 Prozent โ im Juli 2019, vor der Pandemie, waren es 2,6 Prozent.
Arbeitsminister Oliver Hildenbrand (Grรผne) bezeichnete den Anstieg als saisonal bedingt und erwartet, dass er sich im August fortsetzt. โIm Vergleich zum Vorjahr haben sich die Integrationschancen junger Menschen in den Arbeitsmarkt leider weiter verschlechtertโ, sagte er in Stuttgart. Der รbergang von der Schule in Ausbildung und Beruf mรผsse gestรคrkt werden.
Die drei Kreise im Vergleich
- Kreis Rottweil: 2.751 Arbeitslose, 56 mehr als im Juni. Quote 3,4 Prozent (plus 0,1 Punkte).
- Schwarzwald-Baar-Kreis: 6.177 Arbeitslose, 80 mehr als im Juni. Quote 5,1 Prozent (plus 0,1 Punkte).
- Kreis Tuttlingen: 4.586 Arbeitslose, 49 mehr als im Juni. Quote 5,4 Prozent (unverรคndert).
Quellen: Agentur fรผr Arbeit Rottweil โ Villingen-Schwenningen, Ministerium fรผr Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Wรผrttemberg.