Rund 500 Gäste aus Wirtschaft und Politik hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg zu ihrem Sommerempfang im Haus der Wirtschaft in Villingen-Schwenningen begrüßt. Präsidentin Birgit Hakenjos nannte fünf Punkte, die den Betrieben im Kammerbezirk aus ihrer Sicht derzeit am meisten zusetzen – zum Bezirk gehört auch der Landkreis Rottweil. Konkrete Forderungen an die Politik enthielt ihre Rede nach dem Bericht der Kammer nicht.
Villingen-Schwenningen – Gut 500 Gäste zählte die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg bei ihrem diesjährigen Sommerempfang. Präsidentin Birgit Hakenjos und Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez begrüßten im Haus der Wirtschaft Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Verwaltung und Politik.
Der Kammerbezirk reicht über Villingen-Schwenningen weit hinaus. Er umfasst den Schwarzwald-Baar-Kreis sowie die Landkreise Rottweil und Tuttlingen; rund 35.000 Unternehmen sind dort Mitglied. Für die meisten gewerblichen Betriebe ist die IHK-Mitgliedschaft gesetzlich vorgeschrieben. Was die Kammerspitze in Villingen-Schwenningen sagt, betrifft damit auch Betriebe in Rottweil, Schramberg oder Oberndorf.
Hakenjos vergleicht den Mittelstand mit Mannschaftssport
In ihrer Rede griff Hakenjos zu einem Sportbild. „Wer in diesem Team mitspielen will, braucht Einsatz, Ausdauer und den Mut, Verantwortung zu übernehmen“, sagte sie laut Mitteilung der Kammer. Der Mittelstand lebe vom Wettbewerb. Erfolgreich sei, wer seine Kunden überzeuge, Chancen nutze und nach Rückschlägen weitermache.
Zur Stimmungslage in den Betrieben wurde die Präsidentin deutlicher: In Gesprächen mit Unternehmern gehe es derzeit vor allem um die Frage, „wo wir stehen, was sich ändern muss, und wie man wieder mehr Zuversicht gewinnen kann“. Ihre Antwort darauf fiel appellhaft aus: „Jammern bringt uns nicht weiter. Entscheidend ist, jeden Tag gute Arbeit zu leisten – innovativ, verlässlich und mit dem Blick nach vorn.“
Fünf Baustellen – aber keine Adressaten
Fünf Themen benannte Hakenjos als die zentralen Herausforderungen: zu viel Bürokratie, zu lange Genehmigungsverfahren, zu hohe Energiepreise, eine Infrastruktur, die nicht mithält, und zu wenige Fachkräfte. Wie diese Probleme gelöst werden sollen und was die Kammer konkret von Land und Bund erwartet, ließ sie nach dem Bericht der IHK offen. Gelingen könne das nur, „wenn alle im Team zusammenhalten“.
Neu ist diese Liste nicht. Bürokratie, Energiekosten und Fachkräftemangel stehen seit Jahren an der Spitze, wenn Industrie- und Handelskammern ihre Mitglieder in Konjunkturumfragen nach den größten Geschäftsrisiken fragen.
„Kampflächeln“ vor dem schwierigen Termin
Den Hauptvortrag hielt Hans-Dieter Hermann, der frühere Sportpsychologe der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Sein Thema: „Erfolg beginnt im Kopf, Misserfolg auch.“
Motivation entstehe nicht durch Druck, sondern durch Zugehörigkeit, so seine Kernthese. „Wenn Menschen erleben, dass sie dazugehören, Anerkennung und Sicherheit bekommen, und merken, dass sie hier richtig sind, dann sind sie auch motiviert“, sagte Hermann.
Für den Umgang mit sich selbst hatte er eine Übung mitgebracht, die er „Spiegellächeln“ oder „Kampflächeln“ nennt: bewusst lächeln vor einem schwierigen Termin. Das entspanne. „Probieren Sie das mal aus“, riet er den Gästen.
Ebenso wichtig wie Einsatz sei die Erholung. „Statt Zeitdruck ist Muße angesagt“, sagte Hermann. Musizieren, Lesen oder Schach spielen brächten das Gehirn zur Ruhe. Von einer Work-Life-Balance, die Berufliches und Privates vermischt, hält er nach eigenen Worten wenig. Er rät stattdessen zur klaren Trennung und dazu, bewusst in „Gegenwelten“ einzutauchen.
Im Anschluss blieben die Gäste bei sommerlichen Temperaturen zum Austausch im Haus der Wirtschaft.
Hinweis der Redaktion: Die Darstellung des Abends beruht auf einer Mitteilung der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg. Die NRWZ war nicht vor Ort.
