Mahle-Standort in Rottweil. Foto: Johannes Dürr

Mahle will Produktion in Rottweil stabil halten

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Neue Ladekonzepte für E-Fahrzeuge, Elektronik-Kühlung für Rechenzentren, Range Extender für schwere E-Trucks – fast im Zwei-Wochen-Rhythmus lässt die Mahle-Pressestelle von sich hören. Für die Stuttgarter Standorte wurde Anfang Juli ein Ergänzungstarifvertrag abgeschlossen. Auch für Rottweil gibt es Neuigkeiten.

Schon im Mai hatte die NRWZ zum Standort nachgehakt, wie in der Vergangenheit antwortete die Pressestelle sehr zögerlich und erst nach mehrfachen Nachfragen und telefonischem Kontakt. Umso größer die Überraschung, dass es diesmal mit zwei Mails getan ist. Und die Belegschaft am Standort vorerst aufatmen kann.

Harte Verhandlungen in Stuttgart, Werksschließung in Bayern

Andernorts hatten Verhandlungen für die Mitarbeitenden massive Einbußen zur Folge: Die Beschäftigten an den Standorten Stuttgart und Kornwestheim (Landkreis Ludwigsburg), immerhin knapp 4.000 Menschen, verzichten auf die für 2026 vorgesehene Tariferhöhung und nehmen Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld hin. Außerdem wird im laufenden Jahr eine Sonderzahlung verpflichtend in Freistellungstage umgewandelt.

Im Gegenzug gilt bis zum 31. Dezember 2029 ein Sonderkündigungsschutz, wie das Stuttgarter Unternehmen sowie Mahle-Gesamtbetriebsrat und IG Metall laut dpa getrennt voneinander mitteilten.

Die Vereinbarung ermöglicht dem Autozulieferer, sein im November 2025 angekündigtes Sparprogramm in Verwaltung und Entwicklung umzusetzen. Ursprünglich war dazu auch ein Stellenabbau geplant. Für die Einschnitte in Millionenhöhe sorgen eine deutlich nachlassende Markt- und Umsatzentwicklung sowie zunehmender Kostendruck.

Im Fachblatt Automobilwoche warnte der CEO des Stuttgarter Technologie-Konzerns denn auch vor wenigen Tagen die IG Metall vor hohen Lohnforderungen angesichts eines harten Verdrängungswettbewerbs. Und das Ende der Produktion am bayerischen Standort in Neustadt (Landkreis Kelheim) 2027 ist besiegelt. Offensichtlich nicht allzu gütlich, denn die Mittelbayerische Zeitung berichtet aktuell von neuerlichem „Zoff und gewaltigem Rumoren hinter den Kulissen“.

Kleinere Verlagerungen nach Rottweil

Besser sieht es da für die Beschäftigten am Standort Rottweil aus, weiß Manuela Höhne, Director Corporate Communications and Marketing:

Unser Werk in Rottweil ist als Fertigungsstandort von Stahl- und Aluminium-Kolben für Nutzfahrzeuge und in kleinerem Umfang für Pkw sowie Aluminium-Schmiedekolben für Sport- und Freizeitmarktfahrzeuge fest etablierter Bestandteil des Produktionsverbunds von Mahle in Deutschland. Zusätzlich ist geplant, die heute in Stuttgart-Fellbach ansässige Kolbenproduktion für sportliche Serienfahrzeuge mittelfristig nach Rottweil zu verlagern, um die für den Standort prognostizierten Umsatzrückgänge bei Pkw-Kolben zu kompensieren. Die Pkw-Umfänge werden weiter schrumpfen, während die Bedarfe für Nfz-Kolben nach aktuellen Einschätzungen mittelfristig stabil bleiben dürften.“

Auf die Frage dagegen, welche der neuen E-Technologien oder Thermomanagement-Produkte von Mahle künftig vor Ort produziert würden, kommt verklausuliert ein Korb: „Um die Produktion langfristig stabil zu halten,“ so Sprecherin Höhne, „prüfen Unternehmen und Standort derzeit gemeinsam verschiedenste Ideen für neue Produkte. Grundsätzlich ist allerdings festzustellen, dass unsere deutschen Standorte vor zwei großen Herausforderungen stehen: dem Rücklauf bei Produkten für Verbrennungsmotoren durch die EU-CO2-Regulierung und Marktveränderungen in Europa sowie dem harten Kostendruck durch asiatische Wettbewerber nicht nur bei ‚neuen‘ Produkten für die Elektrifizierung, sondern mittlerweile auch bei Verbrennerkomponenten. Die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industriestandorte bleibt ohne weitere massive Reformen und bessere Standortbedingungen in Deutschland weiter bedroht. Vor diesem Hintergrund ist der Prozess zur künftigen Ausrichtung des Werkes sehr anspruchsvoll.“ Das sagt nicht allzu viel, immerhin bleibt aber der Personalstand in Rottweil 2026 im Großen und Ganzen stabil bei rund 750 Personen.

Beschäftigung bis Ende 2027 gesichert

Und die Belegschaft hat vorerst Bleiberecht, wie auf neuerliche Nachfrage heute die Konzernsprecherin in einer weiteren Mail berichtet: „Im Zuge des Ergänzungstarifvertrag-Abschlusses für Stuttgart und Kornwestheim haben wir u.a. für Rottweil vereinbart, dass der lokal geltende aktuelle Zukunftstarifvertrag und die Beschäftigungssicherung um ein Jahr bis Ende 2027 verlängert werden. Darüber hinaus wird weiterhin intensiv an Zukunftsprojekten gearbeitet und über eine Vereinbarung gesprochen, die darauf abzielt, dass Rottweil bei zukünftigen Projektvergaben entsprechend berücksichtigt wird, soweit dies wirtschaftlich darstellbar ist.“

Ganz konkret verrät die Konzernsprecherin noch ein weiteres Datum, nach der „mittelfristigen Verlagerung“ der Fellbacher Kolbenproduktion für sportliche Serienfahrzeuge befragt: Hier gehen die aktuellen Planungen vom ersten Halbjahr 2027 aus. Die NRWZ wird berichten.

Autor / Quelle:Johannes Dürr (jd)
... M.A., begleitet die NRWZ seit ihrer Gründung 2004 mit Rat, Tat und Text. Der studierte Industriehistoriker und Anglist bringt eine fundierte Perspektive auf Wirtschaft und Kommunikation mit. Als Mitbegründer einer der großen Unternehmens- und Kommunikationsberatungen im Ländle befasst er sich seit Jahrzehnten mit mittelständischen und großen Unternehmen. Er begleitet Organisationen in Konflikten und Veränderungsprozessen – strategisch, kommunikativ und menschlich. Privat engagiert sich der ausgebildete systemische Berater, Moderator, Coach und Wirtschaftsmediator ehrenamtlich in der Demokratieförderung, etwa als Mitgründer des Soolbad Clubs. In Rottweil trifft man ihn mit einer seiner Bands auf der Bühne oder unterwegs auf zwei Rädern – wie beim Schreiben gilt auch hier: Hauptsache mit Leidenschaft.
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