Benachrichtigung

Deißlinger Filmemacher portraitiert globale Top-Mediziner

Autor / Quelle:
Lesezeit 4 Min.
Die Previews wurden schon über sechs Millionen Mal aufgerufen: Szene aus „A Doctor's Mind“ von Jochen Isensee. Foto: pm

Als Notarzt rettet Jochen Isensee aus Deißlingen in der Region Leben – und produziert im Hauptberuf Filme. Aus diesem Spagat macht er nun eine Symbiose. Denn Thema seines neuen Projektes „A Doctor’s Mind“ ist die Spitzenmedizin. Am 4. Oktober hatte die Kino-Fassung in Karlsruhe eine glamouröse Premiere. Ab 13. November ist sie in Rottweil zu sehen.

Deißlingen – Neun der weltweit führenden Neurochirurgen hat Isensee mit seinem Team für dieses Projekt bei ihrer Arbeit begleitet und sie zudem interviewt. Top-Mediziner auf drei Kontinenten. Dabei werden Fälle beleuchtet, in denen ein einziger Millimeter über Heilung oder schlimme Schäden entscheidet. Wenn nicht gar über Leben und Tod.

„A Doctor’s Mind: Brain Surgery. Living with Impossible Decisions“ begleitet herausragende Ärzte in Utrecht, Karlsruhe, Genf, Rom, Stockholm, Tokio, Chicago und Günzburg – jeder mit einem anderen Fall, einem anderen Ansatz, einer anderen Geschichte. Und alle mit derselben Gewissheit: „Wenn etwas schiefgeht, müssen beide damit leben – der Patient und der Arzt“, erklärt der 1981 in Pforzheim geborene Jochen Isensee, der seit 2017 mit Familie in Deißlingen lebt, im Gespräch mit der NRWZ.

01 jochen isensee privat
Filmemacher und seit 2023 einer der leitenden Notärzte im Landkreis Rottweil: Jochen Isensee. Foto: pm

Deutlich wird dabei ein entscheidender Faktor, der „A Doctor’s Mind“ von anderen Dokus über Ärzte und Therapien unterscheidet: Weil Isensee beides ist, Filmemacher und Mediziner, genauer Facharzt für Anästhesie, geht er die Themen anders an. Und rückt vor allem den Ärzten näher, als dies in der Regel gelingt. In Gesprächssequenzen erfährt man tatsächlich etwas über deren „Mind“, also die Denkweisen und Erfahrungen, von denen der Titel spricht.

Man spürt die Anspannung der Top-Mediziner, hört von ihrem Ringen mit der immensen Verantwortung für Menschen. Einer beschreibt es als „inneres Schlachtfeld“, trotz aller Gefahren immer wieder den Mut aufzubringen, riskante Operationen am Gehirn anzugehen. Man erfährt eindringlich, wie sehr es diese Spitzenchirurgen belastet, wenn etwas nicht gelingt, wenn schlimmstenfalls ein Patient stirbt. Und ist trotzdem froh, dass diese Menschen sich immer wieder entscheiden, es zu wagen.

Selbst als Nicht-Mediziner kann man aus „A Doctor’s Mind“ einiges über Stressmanagement, Resilienz-Training und Bewältigungs-Strategien mintnehmen. Insider erfahren zweifellos noch viel mehr. „Da passiert ein Transfer von Highend-Experten gerade zu jüngeren Medizinern“, erläutert Jochen Isensee diese Ebene. Denn den Top-Experten kämen Jüngere sonst allenfalls bei Fachkonferenzen nahe. Und ob sie dort so frei über die psychischen Herausforderungen sprechen würden, ist offen.

adm poster clean de kompakt
Plakat des Kinofilms „A Doctor’s Mind: Brain Surgery. Living with Impossible Decisions“

Jedenfalls hat Isensee mit „A Doctor’s Mind“ zweifellos einen Nerv getroffen. Vorab veröffentlichte Ausschnitte wurden bereits über sechs Millionen Mal aufgerufen. Und führten zu etlichen Rückmeldungen, gerade von Medizinern. „Der Bedarf über diese Dinge zu sprechen, ist hoch“, schlussfolgert Isensee.

Das gibt Rückenwind für die weiteren Dreharbeiten in New York, Manchester und wahrscheinlich Köln und Porto. Denn die Kino-Fassung ist nur ein kleinerer Teil von „A Doctor’s Mind“. Über eine eigens gegründete Plattform werden die Inhalte ausführlich zugänglich gemacht. Geplant ist eine regelrechte „Academy“ für den wissenschaftlichen Austausch unter Medizinern.

Aber mit seinem Filmemacher-Temperament, das ihn – wie schon beim abendfüllenden ersten Kino-Projekt „Hope“ (2025) über ein Flüchtlingsmädchen im kriegs- und krisengeschüttelten Südsudan – stets an bedeutsame Themen heranführt, wird Jochen Isensee vielleicht noch andere Themenfelder bearbeiten, auch für ein breites Publikum. Und „nebenbei“ braust er weiter als einer der Leitenden Notärzte durch den Landkreis Rottweil und rettet Leben.

Danke, dass Sie die NRWZ lesen.

NRWZ.de ist kostenlos. Damit das so bleibt, brauchen wir Werbeeinnahmen — die funktionieren besser mit Ihrer Einwilligung. Nutzen Sie NRWZ kostenlos mit Werbung oder unterstützen Sie unsere Redaktion mit einer Steady-Mitgliedschaft und lesen dafür werbefrei.

Kostenlos mit Werbung

Der kostenlose Zugang wird durch Werbung finanziert. Dafür bitten wir um Ihre Einwilligung in die dafür notwendigen Cookies und Dienste.

Bereits Mitglied? Dann können Sie sich direkt einloggen:

Werbefrei mit Steady

Mit Steady unterstützen Sie unabhängigen Lokaljournalismus aus der Region und lesen NRWZ ohne Werbung*.

*Frei von Werbung über die externen Anbieter Google und Taboola. Lokale Werbung zeigen wir im Interesse unserer Direktkunden weiterhin an.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und im Impressum.