Die SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus im Kreis Rottweil warnt davor, in der Rentendebatte ältere Beschäftigte gegen Betriebe und jüngere Generationen auszuspielen. Rente sei ein erworbener Versicherungsanspruch und kein Geschenk des Staates.
Kreis Rottweil – „Viele der Betroffenen haben bereits mit 15 oder 16 eine berufliche Ausbildung begonnen und jahrzehntelang gearbeitet, Beiträge gezahlt, Kinder großgezogen, Angehörige gepflegt. Begriffe wie Frührente oder volkswirtschaftlicher Schaden seien abwertend und werden der Lebensleistung dieser Menschen nicht gerecht“, erklärt Gisela Burger für die AG 60plus.
Die Bezeichnung „Rente mit 63“ sei ohnehin falsch. Die Altersgrenze liege mittlerweile deutlich höher und steige für die jüngeren Jahrgänge bis auf 65 Jahre. Zugleich erreichten längst nicht alle Beschäftigten die erforderlichen 45 Versicherungsjahre. Studien zeigen auf, dass die Lebenserwartung nach Renteneintritt bei Arbeitern am geringsten ist, dies gelte es zu bedenken. Von einem allgemeinen Anreiz zum vorzeitigen Ausscheiden könne deshalb keine Rede sein.
Die AG 60plus erkenne die demografischen Herausforderungen und die berechtigten Interessen der jüngeren Generation an. Generationengerechtigkeit dürfe aber nicht darauf reduziert werden, bereits erarbeitete Ansprüche älterer Beschäftigter zu beschneiden. „Jung und Alt gegeneinander auszuspielen, löst kein einziges Problem der Rentenversicherung. Notwendig sind eine breitere Finanzierungsbasis, gute und tarifgebundene Arbeit, höhere Erwerbsbeteiligung sowie verlässliche Beiträge aller Menschen mit Erwerbseinkommen“, so Gisela Burger.
Auch eine Härtefallregelung könne den bisherigen Anspruch nicht ohne Weiteres ersetzen. Sie würde Menschen dazu zwingen, ihre gesundheitlichen Einschränkungen nachzuweisen, obwohl sie bereits 45 Versicherungsjahre vorweisen könnten. Zudem bleibe offen, wie eng eine solche Regelung ausgestaltet werde und wie viele Betroffene tatsächlich von ihr profitierten.
„Eine Rentenreform muss finanzierbar sein. Sie muss aber ebenso sozial gerecht und verlässlich bleiben. Wer sein gesamtes Erwachsenenleben gearbeitet und Beiträge geleistet hat, verdient Respekt – keine pauschale Darstellung als Belastung für Wirtschaft und Gesellschaft“, betont die AG 60plus.
