Dreimal nachgebessert: Wie die Landesgartenschau ihr Kunstprogramm ankündigte

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Die von Franz Bucher geschaffene Kreuzesdarstellung an der Chorwand in der Auferstehung-Christi-Kirche in Rottweil. Foto: al

Ein verstorbener Künstler wurde zum lebenden, eine beantragte Landesförderung zur bewilligten, ein Waggon zum Veranstaltungsort. Die Pressemitteilung zum Kunstprogramm der Landesgartenschau 2028 musste mehrfach korrigiert werden. Die Stadt räumt Fehler ein – und klärt zugleich, wie viele Plätze am Skulpturenhang tatsächlich zu vergeben sind: zehn.

Am 17. August verschickte die Landesgartenschau Rottweil 2028 gGmbH eine Pressemitteilung über die geplanten Kunstprojekte. Einen Tag später ging dieselbe Mitteilung in korrigierter Fassung erneut an die Redaktionen, verbunden mit der Bitte, künftig nur noch diese zu verwenden. Von „kleineren, relevanten Korrekturen“ war die Rede. Es ging um mehr als das.

Aus Franz wurde Willi

In der ersten Fassung hieß es, anstelle einer Arbeit des Künstlers Franz Bucher solle eine Steinskulptur seines Bruders Willi Bucher gezeigt werden – weil Franz Buchers Werke überwiegend aus Holz bestünden und für den Außenraum wenig geeignet seien. Tatsächlich verhält es sich anders. Gezeigt wird eine Steinskulptur von Franz Bucher, der 1995 gestorben ist. Sein Bruder Willi Bucher, Bildhauer in Fridingen an der Donau, stellt die in seinem Besitz befindliche Arbeit leihweise zur Verfügung. Aus dem Leihgeber wurde in der Mitteilung der Urheber.

Der Unterschied ist nicht akademisch. Alle fünf bereits gesetzten Positionen am „skulpTOURhang“ sind verstorbenen Künstlern vorbehalten – mit der Begründung, diese könnten sich einem Wettbewerb nicht mehr stellen. Nach der ersten Fassung hätte ein lebender Künstler einen der Plätze ohne Bewerbung erhalten. Ebenfalls in der ersten Fassung: Eine Skulptur von Erich Hauser, dem prägenden Bildhauer der Stadt, fehlte in der Aufzählung vollständig.

Die Kuratoren hatten die Mitteilung nicht gesehen

Beide Kuratoren des Projekts teilen der NRWZ übereinstimmend mit, dass sie den Text vor dem Versand nicht kannten. Jürgen Knubben, Geschäftsführer des Forum Kunst, spricht davon, es sei „vergessen“ worden, eine Freigabe von ihm und Johannes Waldschütz einzuholen. Waldschütz, Stabsbereichsleiter beim Landratsamt, nennt es eine „fehlerhafte, nicht abgestimmte Pressemitteilung“ der Landesgartenschau beziehungsweise der Stadt.

Waldschütz gibt an, die Korrektur selbst angestoßen zu haben: Nachdem er die Berichterstattung gesehen habe, habe er die Gesellschaft kontaktiert und um Berichtigung gebeten – sowohl wegen Willi Bucher als auch wegen des fehlenden Erich Hauser. Aufgefallen sind die Fehler damit nicht im Verfahren, sondern erst, nachdem sie gedruckt waren.

Die Stadt räumt ein: Abstimmung war nicht abgeschlossen

Auf Anfrage bestätigt Bürgermeisterin und Landesgartenschau-Chefin Ines Gaehn den Vorgang. Die Mitteilung sei in einer Urlaubsphase versandt worden, „ohne dass die fachliche Abstimmung mit allen genannten Beteiligten zuvor vollständig abgeschlossen war“. Und weiter: „Das hätte so nicht passieren sollen und war der Grund für die nachträglichen Korrekturen.“ Für künftige Veröffentlichungen zu den Projekten sagt sie zu, die vorherige fachliche Abstimmung sicherzustellen.

Drei weitere Abweichungen

Auch die korrigierte Fassung hielt nicht durchgehend stand. Nach unserer Neuveröffentlichung meldete sich Knubben erneut und wies auf drei Punkte hin:

Die Landesförderung. Beide Fassungen der Mitteilung nennen das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst als Unterstützer des Viadukt-Projekts „ZWISCHENRÄUME“. Tatsächlich hat das Forum Kunst dort lediglich einen Antrag aus dem diesjährigen Innovationsfonds gestellt. Auch das bestätigt die Stadt: Es liege ein Förderantrag vor, eine Zusage gebe es bislang nicht. Die Formulierung in der Pressemitteilung sei „daher zu weitgehend“ gewesen, so Gaehn. Finanzierung und Fördermittelakquise lägen beim Projektträger.

Der Waggon. Der Kulturwaggon „KULTUR im ZUG“ soll laut Mitteilung außerhalb seiner Fahrten am Bahnhof stehen und auch für Veranstaltungen genutzt werden können. Das trifft nicht zu: In den Ruhezeiten sind Veranstaltungen im Waggon nicht möglich. Er steht dort zwei Jahre lang als Werbeträger.

Die internationale Beteiligung. Die Unterzeile der Mitteilung kündigt Wettbewerbe „für regionale, landesweite und internationale Kunstschaffende“ an. Einen Wettbewerb für internationale Künstlerinnen und Künstler gibt es nicht. Die internationale Ebene beschränkt sich auf das Jahresprogramm des Forum Kunst 2028, insbesondere die Ausstellung „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“ – eine kuratierte Schau ohne Bewerbungsverfahren.

Zehn Plätze, nicht 15

Geklärt ist jetzt auch die Frage, die für Bewerberinnen und Bewerber die wichtigste sein dürfte. Beide Fassungen der Pressemitteilung sprachen davon, eine Jury solle „insgesamt 15 Arbeiten“ auswählen – und nannten zugleich fünf bereits feststehende Positionen. Kurator Knubben hatte uns dagegen von zehn Wettbewerbsplätzen berichtet.

Die Stadt bestätigt nun seine Angabe: Für den Wettbewerb stehen zehn Plätze zur Verfügung. Fünf Positionen mit Arbeiten von Franz Bucher, Josef Bücheler, Siegfried Haas, Erich Hauser und Julius Schittenhelm seien gesetzt und daher nicht Gegenstand des Wettbewerbs. Die Windharfe der Jugendkunstschule KREISEL zählt nach Angaben Knubbens ebenfalls nicht dazu, sondern ist ein eigenständiger Beitrag. Damit ist die Zahl der Bewerbungsplätze um ein Drittel kleiner als in der Ankündigung.

Was das bedeutet

Keiner dieser Fehler deutet auf Absicht hin. Es sind Ungenauigkeiten, wie sie entstehen, wenn ein komplexes Vorhaben ohne fachliches Gegenlesen kommuniziert wird – die Stadt benennt das inzwischen selbst. Folgenlos sind sie trotzdem nicht. Wer sich als Bildhauer im Landkreis bewerben will, hat aus der Mitteilung erfahren, es gehe um 15 Plätze. Wer wissen wollte, ob das Land beteiligt ist, las von einer Förderung, über die noch gar nicht entschieden ist. Und wer den Vergabemodus verstehen wollte, las von einer Bewerbungsmöglichkeit, deren Ausschreibung erst im Herbst erscheint.

Bemerkenswert bleibt, wer die Korrekturen angestoßen hat: die beiden Kuratoren, denen der Text nie vorgelegt worden war. Dass die Angaben inzwischen stimmen, ist ihrer Aufmerksamkeit zu verdanken – und der Bereitschaft der Stadt, den Fehler einzuräumen. Nicht dem Verfahren.

Offen bleiben Honorare, Material- und Transportkosten, Versicherung und Haftung während der Standzeit. Für die Kalkulation einer Steinskulptur sind das die entscheidenden Größen. Die Ausschreibung soll im Herbst erscheinen.

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