Seit dem Waldbrand am Tösberg fahren Feuerwehr und Rettungsdienst auf Umwegen nach Lauterbach. Die Schramberger Wehr rechnet über Tennenbronn mit 20 bis 25 Minuten – die Bedarfsplanung im Land geht von zehn aus. Von einem eigens freigeschnittenen Forstweg erfuhr der Leiter des DRK-Rettungsdienstes erst auf Nachfrage der NRWZ. Und ein Linienbus fährt durch Lauterbach seit vier Wochen gar nicht mehr.
Die L 108 zwischen Schramberg und Lauterbach ist seit dem Waldbrand vom 16. August gesperrt. Am Mittwoch stand fest, dass sie auch zum Schulbeginn an diesem Montag nicht freigegeben wird. Was das für Rettungskräfte und für den Busverkehr bedeutet, ist bisher kaum öffentlich geworden.
Die Feuerwehr fährt über Tennenbronn
Muss die Schramberger Feuerwehr nach Lauterbach ausrücken, nimmt sie den Weg über Tennenbronn. Das sagt Stadtbrandmeister Patrick Wöhrle, der beim Waldbrand die Löscharbeiten führte, im Gespräch mit der NRWZ. Eine Alternative über die Hohenschramberg habe man verworfen: „Da gibt es viele Engstellen, das geht mit den Großfahrzeugen nicht wirklich gut.“
Zur Anrückezeit sagt Wöhrle: „Sehr optimistisch bewegen wir uns im Bereich von 20 bis 25 Minuten.“ Deshalb werde zusätzlich die Feuerwehr Hausach mitalarmiert – deren Drehleiter brauche allerdings ähnlich lang oder länger.
Zur Einordnung: Die gemeinsamen Hinweise von Innenministerium und Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg nennen für die ersteintreffende Einheit eine Eintreffzeit von zehn Minuten. Es handelt sich um einen Planungswert für die Feuerwehrbedarfsplanung, nicht um eine starre gesetzliche Frist. Der Abstand zeigt dennoch, was die Sperrung für Lauterbach bedeutet.
Ein praktisches Problem kommt hinzu. „Wenn auf den Wegen einer falsch parkt, kommen wir nicht mehr durch“, sagt Wöhrle. Der Bauhof habe inzwischen Hinweisschilder an den Waldwegen angebracht, damit die Fahrzeuge nicht falsch abbiegen. Alles, was an Kompensationsmaßnahmen möglich sei, habe man getroffen: „Es sind alle sehr bemüht, alle geben das Beste.“ Ein zeitkritischer Einsatz in Lauterbach sei bislang nicht angefallen.
Ein Forstweg, von dem der Rettungsdienst nichts wusste
Neben der Route über Tennenbronn gibt es eine zweite Möglichkeit: einen Forstweg entlang der linken Flanke des Brandgebiets, beim Felsenkeller hoch und über den Trombach nach Lauterbach. Die Stadt Schramberg hat ihn dort freischneiden lassen. Für Rettungsdienst und Notarzteinsatzfahrzeug sei er „möglicherweise befahrbar“, sagt Wöhrle. Weitergegeben habe die Feuerwehr diese Information am 21. August per E-Mail – Hauptthema des Schreibens war damals die Rettungszufahrt zum Festival Metalacker in Tennenbronn.
Beim DRK kam sie offenbar nicht an. Marcus Stotz, Leiter des Rettungsdienstes beim DRK-Kreisverband Rottweil, sagte der NRWZ auf Anfrage, ihm sei von diesem Weg nichts bekannt gewesen; auch der Leiter der Integrierten Leitstelle habe davon nichts gewusst. Auf Nachfrage bei seinen Kollegen erfuhr Stotz, dass der Weg so hergerichtet wurde, dass auch die Schramberger Drehleiter ihn befahren kann, und dass ein Rettungswagen ihn bereits genutzt hat. Die Fahrt dauere länger als über die L 108, sei aber schneller als der große Umweg.
Eine dritte, örtlich diskutierte Variante – vom Gewerbepark aus einspurig durch den Wald unterhalb der Landesstraße – scheidet nach Angaben des Rettungsdienstes aus. Sie gehe von Asphalt in Schotter über und ende in einer Sackgasse, für einen Rettungswagen sei sie nicht befahrbar.
Die Notfallversorgung läuft wie seit Ende August
An der grundsätzlichen Regelung ändert sich durch die verlängerte Sperrung nichts. Sie steht seit Ende August: Wer in Lauterbach den Notruf wählt, bekommt in der Regel einen Rettungswagen aus Hornberg oder Schiltach. Der Notarzt kommt tagsüber meist aus der Luft, nachts dauert es länger. Bis ein Rettungsmittel eintrifft, alarmiert die Leitstelle die First Responder des DRK-Ortsvereins Lauterbach und die App-Ersthelfer der „Region der Lebensretter“.
Zusätzliche Maßnahmen wegen der Verlängerung seien nicht geplant, teilte Stotz mit.
Notruf in Lauterbach: Was jetzt gilt
Notruf 112 – daran ändert die Sperrung nichts. Die Integrierte Leitstelle Rottweil schickt immer das nächstgelegene freie Rettungsmittel, Kreisgrenzen spielen dabei keine Rolle.
Rettungswagen kommen derzeit in der Regel aus Hornberg oder Schiltach statt aus Schramberg.
Notarzt: tagsüber meist per Hubschrauber (Christoph 11 aus Villingen-Schwenningen, Christoph Ortenau aus Lahr). Christoph 11 fliegt auch nachts, braucht bis zum Start aber fünf bis zehn Minuten statt rund zwei. In den Nachtstunden dauert es deshalb länger.
First Responder: Parallel alarmiert die Leitstelle die Helfer vor Ort des DRK-Ortsvereins Lauterbach. Sie wohnen im Ort und sind meist als Erste da.
„Region der Lebensretter“: Das System alarmiert per App qualifizierte Ersthelfer in der Nähe – vor allem bei Herz-Kreislauf-Stillstand. Wer medizinisch qualifiziert ist, kann sich dort registrieren.
Selbst helfen: Bis Hilfe eintrifft, zählt jede Minute. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand gilt: prüfen, rufen, drücken – 100 bis 120 Mal pro Minute, ohne Unterbrechung.
Landratsamt räumt Informationspanne ein
Von der Entscheidung, die Straße nicht zum Schulbeginn freizugeben, erfuhr der Rettungsdienstleiter nach eigener Aussage aus den Medien – die NRWZ hatte sie am Mittwochabend um 18.57 Uhr gemeldet. Das Landratsamt Rottweil bestätigt das auf Anfrage und räumt einen Fehler ein.
„Es ist richtig, dass wir seitens des Landkreises gestern das DRK nicht umgehend informiert haben“, teilt die Pressestelle mit. Man habe dem DRK zwar keinen Öffnungstermin genannt und sei so verblieben, sich bei Änderungen zu melden. „Eine Abstimmung gestern Abend wäre aber sicher kein Fehler gewesen, damit die Verantwortlichen die Information nicht den Medien hätten entnehmen müssen. Also ja: Wir entschuldigen uns und machen das in Zukunft besser.“
Nach der Notfallversorgung bei einer länger anhaltenden Sperrung hatte zuletzt auch die AfD-Kreisrätin Birgit Kronenbitter beim Landratsamt gefragt. Ihr war dort Ende August mitgeteilt worden, das DRK erarbeite ein entsprechendes Konzept.
Nicht beantwortet hat das Landratsamt die Frage, ob und über welchen Kanal der Rettungsdienst über den präparierten Forstweg hätte informiert werden sollen.
Für alle anderen fährt kein Bus
Der zweite Strang betrifft den Nahverkehr. Seit der Sperrung fährt durch Lauterbach keine Linie mehr. Für Schülerinnen und Schüler richten Stadt und Landkreis zum Schulstart zwei Sonderbuslinien ein – wer aus anderen Gründen auf den Bus angewiesen ist, hat weiterhin kein Angebot.
Ein Leser aus Lauterbach wirft den Beteiligten deshalb vor, Menschen zu ignorieren, die aus gesundheitlichen Gründen auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind. Er fordere keinen Stundentakt, schreibt er an die Redaktion, „aber zumindest ein Grundangebot sollte nach vier Wochen endlich einmal drin sein“.
Das Landratsamt verweist auf die Rechtslage. Die Linie durch Lauterbach sei eigenwirtschaftlich, der Unternehmer betreibe sie ohne Zuschüsse des Kreises. Bei Ereignissen wie einer Straßensperrung könne er eine befristete Entbindung von der Betriebspflicht nach Paragraf 21 und von der Beförderungspflicht nach Paragraf 22 des Personenbeförderungsgesetzes beantragen. Ein solcher Antrag sei eingegangen, der Kreis habe ihn bewilligt und Stadt Schramberg wie Gemeinde Lauterbach darüber informiert.
Beschwerden hätten das Nahverkehrsamt bislang nicht erreicht, heißt es weiter: Weder Stadt noch Gemeinde noch Betroffene hätten sich direkt an den Kreis gewandt. Man verstehe, dass der fehlende Nahverkehr „individuell zu sehr schwierigen Situationen führen kann“, und bedauere das. „Allerdings muss man ehrlicherweise auch sagen, dass wir als Landkreis nicht jedes individuelle Problem lösen können.“
Den Schülerverkehr grenzt das Landratsamt davon ab: Er sei kein individuelles Problem, sondern betreffe viele Menschen gleichzeitig. Für Kinder bestehe Schulpflicht, die Schulträger müssten sicherstellen, dass sie erfüllt werden kann. Die zusätzlichen Kosten für den Schülertransport übernehme der Landkreis.
Wohin mit Beschwerden zum Nahverkehr
Nach Angaben des Landratsamts liegen dem Nahverkehrsamt bislang keine Beschwerden aus Lauterbach vor – weder von Betroffenen noch von Stadt oder Gemeinde. Wer auf den Bus angewiesen ist und keinen bekommt, sollte sich also genau dorthin wenden, damit der Bedarf überhaupt aktenkundig wird.
Landratsamt Rottweil, Nahverkehrsamt
Königstraße 36, 78628 Rottweil
Telefon 0741 244-0
E-Mail: info@landkreis-rottweil.de
Wer auf dem Weg zu Arzt, Therapie oder Klinik nicht mehr weiterkommt, sollte außerdem bei der eigenen Krankenkasse nach einer Krankenfahrt fragen. Für den Weg zur Arbeit oder zur Ausbildung ist die Gemeinde Lauterbach erste Anlaufstelle.
Hinweis: Anschrift und Kontaktdaten des Nahverkehrsamts bitte vor Veröffentlichung gegenprüfen.
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