L’Aquila hat die diesjährige 732. Perdonanza Celestiana in besonderem Glanz gefeiert. Anlass war auch die Auszeichnung der Stadt als italienische Kulturhauptstadt. Zahlreiche Delegationen aus den europäischen Partnerstädten waren zu den traditionsreichen Feierlichkeiten in die Hauptstadt der Abruzzen gereist – darunter auch eine Delegation aus Rottweil.
Rottweil – Vertreter aus Bernalda, Sant’Angelo d’Alife, Assisi und Siena in Italien sowie aus Bistrita in Rumänien, Zielona Gora in Polen und Rottweil nahmen an den Veranstaltungen teil. Beim Empfang im frisch sanierten Ratssaal des Palazzo Margherita stand vor allem die Bedeutung der europäischen Städtepartnerschaften im Mittelpunkt.
Die Redner betonten die Freundschaft zwischen den Städten und die Rolle kommunaler Partnerschaften für ein geeintes Europa. Gleichzeitig verwiesen sie auf die Bedeutung demokratischer Institutionen und deren lebendige Pflege und Bewahrung in den europäischen Ländern.
Eine besondere Rolle spielte in diesem Jahr Bistrita. Die rumänische Stadt konnte das 20-jährige Bestehen ihrer Partnerschaft mit L’Aquila feiern und wurde aus diesem Anlass festlich in die Perdonanza einbezogen.
Festzug zur Basilika Santa Maria di Collemaggio
Höhepunkt der Feierlichkeiten war der traditionelle „Corteo storico“, der historische Festzug zur Basilika Santa Maria di Collemaggio. Im Mittelpunkt stand die „Bolla“, das Ablassdokument von Papst Celestino V., der aus L’Aquila stammte.
Historische Gruppen aus L’Aquila und den umliegenden Provinzen, Fahnenschwinger und Trommler sowie Vertreter der Stadtverwaltung und der Partnerstädte zogen gemeinsam zur Basilika. Vor der Renaissancefassade von Santa Maria di Collemaggio und der imposanten Bergkulisse der Abruzzen bot der Festzug ein eindrucksvolles Bild.
Die Perdonanza geht auf Papst Celestino V. zurück und ist für L’Aquila von großer religiöser und historischer Bedeutung. Die Feierlichkeiten verbinden dabei Tradition, Stadtgeschichte und das heutige europäische Selbstverständnis der Stadt.
Rottweiler Delegation besucht MUNDA und Onna
Zum Programm für die Partnerdelegationen gehörte auch ein Besuch des wiedereröffneten Museo Nazionale d’Abruzzo, kurz MUNDA, im Castello von L’Aquila. Die ehemalige spanische Festung beherbergt bedeutende religiöse Kunstwerke, darunter Madonnenfiguren aus dem Mittelalter und der Renaissance. Auch ein in der Region entdecktes Mammut ist dort zu sehen.
Bei der Führung wurde zudem gezeigt, mit welchen Methoden die wertvollen Kunstwerke in der erdbebengefährdeten Region geschützt und ausgestellt werden. Die Delegationen konnten außerdem den Wiederaufbau L’Aquilas und die restaurierten historischen Gebäude und Palazzi der Stadt erleben.
Für die Rottweiler Gäste gehörte auch ein Besuch des Ortsteils Onna zum Programm. Das Dorf war beim verheerenden Erdbeben von 2009 besonders schwer getroffen worden. Im „Casa Onna“, dem ersten nach dem Erdbeben wiedererrichteten Versammlungshaus, haben sich auch Bürger aus Rottweil engagiert. Onna befindet sich weiterhin im Wiederaufbau. Zahlreiche neue Häuser sind inzwischen entstanden, allerdings ist ein Teil davon noch nicht wieder bewohnt.
Für die Rottweiler Delegation war die Reise nach L’Aquila damit nicht nur die Teilnahme an einem bedeutenden historischen Fest. Die Perdonanza bot zugleich Gelegenheit, bestehende Kontakte zu pflegen und langjährige persönliche Freundschaften mit den Menschen in der italienischen Partnerstadt zu vertiefen.
L’Aquila präsentierte sich während der Festtage als Kulturhauptstadt Italiens und zugleich als Stadt, die sich nach dem schweren Erdbeben von 2009 weiterentwickelt und große Teile ihres historischen Zentrums wiederaufgebaut hat.
