Hunde achten auf jede Bewegung: Wie sie ihre Menschen lesen

Körpersprache, Gesichtsausdruck und Tonfall können mehr bewirken als ein lautes Kommando. Dabei müssen nicht nur Menschen lernen, ihre Hunde zu verstehen – auch umgekehrt beobachten die Tiere ihr Gegenüber sehr genau.

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Bild von Angel auf Pixabay

Kreis Rottweil. Die Leine wird kürzer, die Schultern spannen sich an, der Blick richtet sich auf den entgegenkommenden Vierbeiner: Noch bevor ein Kommando fällt, hat der Hund häufig längst bemerkt, dass sich die Stimmung seines Menschen verändert. Denn Hunde reagieren nicht nur auf Worte. Sie beobachten Körperhaltung und Gesichtsausdruck und achten auf Bewegungen und Tonfall.

Über Jahrtausende des Zusammenlebens haben sich Hunde offenbar besonders gut darauf eingestellt, menschliches Verhalten zu deuten. Sie erkennen, ob jemand entspannt oder angespannt wirkt, Kontakt aufnehmen möchte oder mit etwas anderem beschäftigt ist.

„Hunde beobachten uns viel genauer, als es den meisten bewusst ist. Sie reagieren oft schon auf unsere Körpersprache, bevor wir überhaupt etwas sagen“, erklärt Hundetrainer Anton Fichtlmeier in einer Mitteilung des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH).

Wenn Nervosität sich überträgt

Besonders deutlich kann das in aufregenden Situationen werden – beispielsweise, wenn beim Spaziergang ein anderer Hund auftaucht. Manche Menschen greifen dann die Leine fester, verändern ihre Haltung oder werden in ihren Bewegungen hektisch. Damit können sie die Anspannung ihres Hundes noch verstärken. Wer selbst ruhig bleibt, kann seinem Tier dagegen helfen, ebenfalls gelassener zu reagieren. Langsame Bewegungen, eine möglichst entspannte Körperhaltung und ein gleichmäßiger Tonfall seien dabei hilfreich, so Fichtlmeier.

Wie eng Mensch und Hund als Team zusammenarbeiten, zeigte auch ein Besuch der NRWZ bei der Rettungshundestaffel Rottweil-Hegau. Beim Training beobachtete Retriever Winston seine Hundeführerin hoch konzentriert und wartete auf das Startsignal zur Suche. Als ihm ein Hindernis zunächst nicht geheuer war, wurde er motiviert und schließlich für seinen Erfolg belohnt. Zu viel Stress führe zu Frust, erklärte damals Ausbildungsleiterin Simone Mohr-Kugler. Der Hund solle deshalb eine Übung mit einem positiven Erlebnis beenden.

Das Beispiel zeigt zugleich: Die Verständigung funktioniert in beide Richtungen. Hunde achten auf ihre Menschen – doch auch die Menschen müssen die Reaktionen ihrer Tiere erkennen. „Der Hundeführer muss seinen Hund eben gut lesen können“, sagte die Vorsitzende der Rettungshundestaffel, Christine Bastian, im Gespräch mit der NRWZ. Hund und Mensch könnten nur als Team funktionieren.

Nicht jeder Hund möchte umarmt werden

Auch beim Zeigen von Zuneigung kann es zu Missverständnissen kommen. Was Menschen als liebevoll empfinden, muss für einen Hund nicht automatisch angenehm sein. Manche Tiere genießen engen Körperkontakt und ausgiebige Streicheleinheiten. Andere fühlen sich davon bedrängt und möchten lieber etwas Abstand halten. Ähnliches gilt für den Blickkontakt. Ein freundlicher, kurzer Blick kann Vertrauen schaffen. Intensives und anhaltendes Anstarren empfinden manche Hunde hingegen als unangenehm oder sogar als Herausforderung.

Wie ein Hund auf Berührungen, Nähe und menschliche Kontaktaufnahme reagiert, hängt unter anderem von seinen bisherigen Erfahrungen ab. Tiere, die früh an unterschiedliche Menschen und Situationen gewöhnt wurden und dabei gute Erfahrungen gemacht haben, reagieren häufig aufgeschlossener. Schlechte Erlebnisse können dagegen zu Zurückhaltung oder Misstrauen führen.

Auf leise Signale achten

Halterinnen und Halter sollten deshalb nicht nur Kommandos geben, sondern ihren Hund aufmerksam beobachten. Wendet er sich entspannt zu und sucht von sich aus Kontakt? Oder dreht er den Kopf weg, weicht zurück und versucht, die Situation zu verlassen?

Mögliche Hinweise darauf, dass ein Hund Abstand möchte, sind:

  • Er wendet Kopf oder Körper ab.
  • Er weicht zurück oder duckt sich.
  • Er versucht, sich der Situation zu entziehen.
  • Seine Körperhaltung wird plötzlich steif.
  • Er leckt sich über die Schnauze oder gähnt.
  • Er legt die Ohren zurück oder senkt die Rute.

Ein einzelnes Verhalten ist allerdings nicht immer eindeutig. Entscheidend sind die jeweilige Situation, das gesamte Auftreten und die Gewohnheiten des Hundes. Wer dessen Reaktionen kennt und ernst nimmt, kann auch die eigene Körpersprache besser daran anpassen.

Hinweis: Grundlage dieses Beitrags ist eine Pressemitteilung des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH), der die Interessen von Unternehmen der Heimtierbedarfsbranche vertritt. Der Text wurde redaktionell bearbeitet und um Informationen aus der NRWZ-Berichterstattung über die Rettungshundestaffel Rottweil-Hegau ergänzt.

Autor / Quelle:NRWZ-Redaktion
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