Die Stadt Schramberg war über den Insolvenzantrag der hGears Schramberg GmbH vorab nicht informiert. Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr hat nach eigenen Angaben inzwischen Kontakt zur Geschäftsführung aufgenommen und Unterstützung angeboten. An Gesprächen mit dem Betriebsrat ist die Stadt nicht beteiligt.
Von dem Insolvenzantrag ihres Industriebetriebs hat die Stadt Schramberg auf demselben Weg erfahren wie alle anderen. „Nein. Das ist bei solchen Verfahren auch nicht üblich“, antwortete Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr auf die Frage der NRWZ, ob die Stadtverwaltung vor der öffentlichen Bekanntgabe informiert worden sei.
Die hGears AG hatte den Insolvenzantrag ihrer Schramberger Tochter am Montagnachmittag als Pflichtmitteilung an den Kapitalmarkt veröffentlicht. Am Standort arbeiten nach Unternehmensangaben derzeit 181 Menschen.
„Jede Insolvenz ist schmerzlich“
Eisenlohr bewertet den Vorgang zurückhaltend. „Jede Insolvenz ist schmerzlich, sowohl für die Firma selbst als auch für alle, die mit ihr verbunden sind“, teilte sie mit. „Wir hoffen, dass das von der Geschäftsführung eingeleitete Verfahren seinen Zweck erfüllt und es gelingt, die Firma profitabel aufzustellen.“ Inzwischen sei sie aktiv geworden: „Ja, ich habe bereits Kontakt aufgenommen, um Genaueres zu erfragen und Unterstützung anzubieten.“ Mehr könne die Stadt zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.
An Gesprächen mit dem Betriebsrat oder der Belegschaft ist die Stadt nach Angaben der Oberbürgermeisterin nicht beteiligt.
Angespannte Haushaltslage
Die Insolvenz trifft eine Stadt, deren Finanzen ohnehin unter Druck stehen. Die Gewerbesteuereinnahmen brachen 2025 von erwarteten 27 Millionen auf rund 14,4 Millionen Euro ein, der Gemeinderat beschloss Haushaltssperren und ein umfangreiches Sparprogramm. Zusätzlich musste die Stadt im Oktober 2025 einem Großunternehmen 5,5 Millionen Euro an Gewerbesteuervorauszahlungen erstatten und dafür einen Kredit aufnehmen. Welches Unternehmen das war, ist nicht öffentlich – für Steuerdaten gilt das Steuergeheimnis. Auf Nachfrage erklärte Eisenlohr, eine Rückzahlungsverpflichtung gegenüber hGears könne sie nicht bestätigen.
Welche Folgen die Insolvenz für den städtischen Haushalt hat, äußerte die Stadt nicht. Auch hier verwies die Oberbürgermeisterin auf das Steuergeheimnis, das die Steuerzahlenden schütze.
Verfahren läuft
Die hGears Schramberg GmbH hatte am Montag beim Amtsgericht Rottweil ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Als Grund nennt das Unternehmen die eingetretene Zahlungsunfähigkeit bei zu geringen Produktionsvolumina und zu hoher Kostenbasis. Ein Sanierungsplan wird derzeit erarbeitet; Kündigungen schließt das Unternehmen nicht aus. Die Produktion läuft nach Unternehmensangaben uneingeschränkt weiter.
