Jahrzehntelang hat Schramberg auf die Talumfahrung gehofft. Jetzt wird die Planung auf Eis gelegt: Das Regierungspräsidium Freiburg sieht keine wirtschaftliche Perspektive mehr. Die Kosten sind massiv gestiegen – zugleich würden deutlich weniger Fahrzeuge den Tunnel nutzen als bisher angenommen. Noch im Oktober hatten Stadt und Wirtschaft auf Fortschritte gedrängt.

Schramberg. Die Planung für die Ortsumfahrung Schramberg im Zuge der B 462 wird bis auf Weiteres nicht fortgeführt. Darüber hat das Regierungspräsidium Freiburg Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr und Landrat Christoph Keckeisen informiert. Die Begründung: Nach einer aktualisierten Kostenschätzung und einer neuen Verkehrsuntersuchung ist das Projekt nicht mehr wirtschaftlich.
Je nach Trassenvariante würde die Umfahrung inzwischen zwischen 206 und 302 Millionen Euro kosten. Im Jahr 2019 waren auf Grundlage der Planung von 2007 noch 158 Millionen Euro angesetzt worden. Damit liegt die aktuelle Schätzung am oberen Ende fast doppelt so hoch wie damals. Als Ursachen nennt das Regierungspräsidium stark gestiegene Baukosten und eine neue Planung nach den inzwischen geltenden Richtlinien.
Weniger Verkehr als erwartet
Gleichzeitig fällt eine wesentliche Grundlage für die Wirtschaftlichkeit schwächer aus als bislang angenommen: die erwartete Nutzung des Tunnels. Statt rund 10.000 Fahrzeugen täglich rechnet die Behörde für das Jahr 2040 nur noch mit etwa 7000. Das sind 30 Prozent weniger.
Nach Angaben des Regierungspräsidiums hat der Verkehr deutlich weniger zugenommen als prognostiziert. Einwohnerzahlen und Gewerbe hätten sich nicht signifikant verändert. Hinzu komme ein bereits ausgebautes überörtliches Straßennetz.
Die Entscheidung zum Planungsstopp ist nach Darstellung der Behörde mit den Verkehrsministerien von Bund und Land abgestimmt. Alle Optimierungsmöglichkeiten seien ausgeschöpft. Eine wirtschaftliche Umsetzungsperspektive sei derzeit nicht absehbar.
„Uns ist klar, dass dies keine gute Nachricht für die Stadt Schramberg ist“, erklärt Regierungspräsident Carsten Gabbert. Die Planung angesichts der mangelnden Wirtschaftlichkeit jetzt nicht fortzuführen, sei jedoch „die einzig vernünftige Entscheidung“.
Die verfügbaren Kapazitäten will das Regierungspräsidium vor allem für die Erhaltung von Straßen, Brücken und Stützmauern sowie für Felssicherungen einsetzen. Bei Neubauvorhaben sollen bereits fortgeschrittene Planungen Vorrang haben.
Noch im Oktober forderten Stadt und IHK Fortschritte
Die Nachricht trifft auf eine zuletzt erneut verstärkte politische und wirtschaftliche Unterstützung für die Talumfahrung. Erst am 20. Oktober hatten Vertreter der Stadt und der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg im Schramberger Rathaus über das Projekt gesprochen und eine zügige Fortsetzung der Planung gefordert. Die Umfahrung sollte nach ihrer Vorstellung die Stadt entlasten und die überregionale Verbindung zwischen A 5 und A 81 verbessern.
Eisenlohr hatte dabei auf die seit Jahren ausstehenden Entscheidungen verwiesen. Seit 2023 erhalte die Stadt immer wieder die Auskunft, dass sich Bundes- und Landesverkehrsministerium noch abstimmten. „Ich verstehe inzwischen alle Bürger, die daran zweifeln, dass die Talumfahrung jemals kommt“, wurde sie in der damaligen Mitteilung zitiert. Sie verlangte klare Aussagen und möglichst ein klares Bekenntnis zum Projekt.
Nun liegt eine Entscheidung vor – allerdings gegen die Fortsetzung der Planung.
Schon 2024 ging es ohne weitere Untersuchungen nicht weiter
Dass das Vorhaben feststeckte, hatte sich lange zuvor abgezeichnet. Im Dezember 2024 berichtete die NRWZ, dass eine für den Herbst angekündigte Information des Gemeinderats auf unbestimmte Zeit verschoben worden war. Das Regierungspräsidium wollte Varianten erst öffentlich vorstellen, wenn deren Machbarkeit nachgewiesen sei.
Dafür wären nach damaliger Darstellung kostspielige Bodenuntersuchungen mit Bohrungen bis in große Tiefe erforderlich gewesen. Bevor diese beauftragt werden konnten, sollte sich das Regierungspräsidium mit den Ministerien abstimmen. Eine endgültige Trassenentscheidung war damit weiterhin nicht getroffen.
Auch die Verkehrsprognosen standen bereits vor der jetzigen Entscheidung infrage. Die NRWZ berichtete im Juli 2025 über eine Mobilitätsuntersuchung, die an der B 462 in der Oberndorfer Straße rund 13.300 Fahrzeuge täglich ermittelt hatte. Einer früheren Begründung des Umfahrungsprojekts zufolge hätte der Verkehr bis 2020 dagegen auf 19.600 Fahrzeuge pro Tag steigen sollen. Die damalige Prognose hatte sich damit nicht bestätigt. Diese Zahlen betreffen die bestehende Straße, nicht die jetzt neu berechnete künftige Tunnelnutzung.
„Vordringlicher Bedarf“ – aber keine Aussicht auf Umsetzung
Die Talumfahrung steht seit 2016 im „Vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans 2030. Diese Einstufung hatte die Hoffnung auf Fortschritte gestützt. Eine endgültige Vorzugsvariante lag jedoch auch im Oktober 2026 noch nicht vor. Nach der aktuellen Mitteilung hatte das Regierungspräsidium die Planung im Auftrag des Bundes 2019 aufgenommen.
Ein endgültiges Aus erklärt die Behörde nicht. Für eine mögliche Wiederaufnahme verweist sie allerdings auf die Aufstellung eines neuen Bundesverkehrswegeplans. Dann müsse sich zeigen, ob es Ansätze gebe, die sowohl den verkehrlichen als auch den wirtschaftlichen Anforderungen gerecht werden.
Einen Termin für einen neuen Anlauf nennt das Regierungspräsidium nicht. Für Schramberg bedeutet die Entscheidung damit: Die Talumfahrung bleibt zwar im bisherigen Bundesverkehrswegeplan verzeichnet – weitergeplant wird vorerst nicht.